Einfach mal ne Pause…

…die hätte ich jetzt gerne.

Das Jahr neigt sich mal wieder schneller als gedacht dem Ende entgegen, die letzten Wochen zogen rasant an mir vorbei…und alles geht steil bergab.

Zuerst kam mein Opa ins Krankenhaus mit einer Lungenentzündung und natürlich hat er weder zwei gesünde Söhne, noch insgesammt vier Enkel mit Führerschein, die meine Oma regelmäßig ins Krankenhaus oder von dort aus nach Hause fahren konnten. Nein, aus irgendeinem Grund blieb nur ich, um diesen Job jeden Tag zu übernehmen. Und das, obwohl ich mich auch auf die Ausrede stützen könnte “Ich Arbeite jeden Tag neun Stunden und verbringe noch über eine Stunde mit hin- und herfahren, ich habe keine Zeit“ doch meine Großeltern gehören nunmal zur Familie und für Verwandtschaft ist man da, wenn sie Hilfe benötigt – so sehe ich das zumindest. Ich habe da eine sehr enge Verbindung zu meiner Familie, auch wenn ich die beiden nicht so oft sehe und nur sehr selten besuche. (Aber das hat andere Gründe, die weit zurückliegen – und vielleicht fühlte ich mich nun auch ein wenig schuldig, weil ich die beiden sonst nicht oft sehe und wollte deshalb wenigstens nun für sie da sein, wo ich ihnen helfen konnte). Also fuhr ich zwei Wochen lang direkt von der Arbeit aus ins Krankenhaus, schaute kurz nach meinem Opa und fuhr dann die Oma nach Hause. Am Wochenende unterbrach ich meine “Netflix and Chill“ Phase, um Oma sowohl morgens hin- als auch abends wieder zurückzufahren und in der zweiten Woche musste ich nach der Arbeit außerdem noch schnell einkaufen, dann Oma vom Krankenhaus abholen, Zuhause angekommen mir selbstständig etwas kochen da Mutti Spätschicht hatte und fiel um acht Uhr abends total erschöpft ins Bett.

Das war kein Leben sondern ein pures Überleben und ich war mehr als froh, als ich eines Abends endlich Oma und Opa beide vom Krankenhaus abholen durfte und es für beide wieder gemeinsam nach Hause ging. Von da an hoffte ich, würde sich mein Leben wieder etwas entspannen…

…doch das tat es nicht. Auf der Arbeit kämpfte ich weiterhin jeden Tag mit der 500.000 Oberzicke von Analysemaschine. Ständig blieb der Probenteller hängen und die Fehlermeldung “An unexpected error occurred“ löste bei mir unvorhersehbare Tobsuchtsanfälle aus. Letzten Donnerstag beschloss die Maschine dann nach mehreren Versuchen, einfach komplett auszusteigen. Unser Techniker hat sie daraufhin auseinander gebaut und eine Fernwartung mit Hilfe der Herstellerfirma versucht, bei welcher sich herrausgestellt hat, dass das Lager des antreibenden Zahnrads Schrott ist. (Die Worte unseres Technikers “Wat as dat hei dann für a Kinnaspielzeuch ?“) Damit hätten die nächsten zwei Tage zumindest von der Arbeit her entspannt sein können, doch irgendwie gab es immer etwas zu tun um Punkt vier Uhr und ich kam weiterhin nie pünktlich aus dem Labor. Das ärgert mich eigentlich nur deshalb, weil ich auch die Erste bin, die es morgens betritt und so langsam habe ich die Schnauze voll davon, als 450€ Praktikantin als Längste von allen zu arbeiten.

Das lange Wochenende stand ganz im Zeichen von Halloween…und Antriebslosigkeit meinerseits. Samstags habe ich mich mit meinen Cousinen getroffen und wir wollten zusammen Essen gehen und danach Bowling spielen…allerdings erfuhr ich bei ihrer Ankunft, dass niemand einen Tisch zum Essen oder eine Bahn reserviert hatte. Eigentlich wunderte mich dies nichtmal, da meine eine Cousine wirklich der verpeilteste Mensch auf der Welt ist – aber genau deshalb hab ich sie so lieb. Wir hatten also eine spaßige Autofahrt, bekamen mit Glück noch einen Tisch zum Essen im Bowlingcenter…aber die Bahn wäre erst um 23 Uhr frei geworden und so lange wollte keiner warten – außer ich. Aber schneinbar war ich auch die einzige, die richtig Lust auf Bowling hatte und somit fuhren wir recht früh wieder nach Hause und ich kuschelte mich ein wenig enttäuscht auf der Couch zusammen. Die nächsten zwei Tage wurden dann leider nicht besser. Ich wollte einfach nur den ganzen Tag auf der Couch liegen und Nichts tun. Noch vor wenigen Tagen hatte ich mich sehr über die Einladung von Michi gefreut, am Campus einen gemütlichen Halloween Spieleabend zu veranstalten und ich hatte sofort zugesagt und Vorschläge zu Spielen gemacht. Doch nachdem ich die beiläufige Antwort erhielt, dass ich nicht dort schlafen könne, bekam meine Vorfreude einen gewaltigen Dämpfer und ich hatte keine Lust, überhaupt zu fahren. Zu Dome und Jasmin hatte ich seit dem katastrophalen Urlaub keinen Kontakt mehr gehabt und auch keine große Lust, mit den beiden mehr Zeit als nötig zu verbringen. Da wollte ich ganz bestimmt nicht fragen, ob ich dort übernachten konnte.

Auch von Ana bekam ich überraschender Weise eine Einladung zu ihrer Halloweenparty und als ich Bilder von der Dekoration sah, wurde ich schon neidisch. Kürbis schnitzen, aus den Innerein Suppe kochen und sich gruselig verkleiden, das klang wirklich toll…allerdings fahren sich 120km, größtenteils über Land, auch immer recht bescheiden und dazu konnte ich mich beim besten Willen nicht aufraffen. Doch wir hatten bereits vor ein paar Wochen geplant, dieses Wochenende in die Luke feiern zu gehen und darauf freute ich mich sehr. Schließlich hatte sie mir zum ersten Mal zugesagt und würde tatsächlich vorbeikommen. Ich konnte es noch gar nicht fassen, denn bisjetzt war sie noch nie auch nur auf die Idee gekommen, sich in die Bahn zu setzen und zu mir zu fahren. Sonst sollte ich ja immer nur zu ihr fahren, wenn wir Zeit zusammen verbringen wollten. Doch dieser Umstand machte mich wirklich überglücklich und zusammen mit meinen Cousinen und Maria würden wir bestimmt einen tollen Abend haben.

In der Gewissheit, Ana also nächstes Wochenende zu sehen, sagte ich den Leuten am Campus zu und packte eine Isomatte und einen Schlafsack ein, da ich wohl oder übel auf dem Boden schlafen musste. Diese Entscheidung bereute ich jedoch sofort, als ich erfuhr, dass sich niemand verkleiden oder wenigstens ein bisschen schminken würde – meine Veganer sind wirklich langweilig. Ich raffte mich trotzdem zusammen, buck ein Blech veganer Brownies (mit Avocado als Butterersatz – das sah aus als hätte jemand in die Schüssel gekotzt), dekorierte das Ganze noch ein wenig gruselig (wobei das unheimlichste definitiv die Tatsache war, dass es vegan war) und machte mich auf den Weg zum Campus. Ich kam eine halbe Stunde zu spät, aber das machte nichts, denn das Essen war noch nicht fertig und ich hatte Zuhause bereits gegessen und daher probierte ich nur aus Anstand ein wenig von der veganen Spaghetti Bolognese. Danach spielten wir dann eine Runde Romme, weil Felix noch an der Descent Runde bastelte, welche er extra für Halloween geschrieben hatte und eine Stunde später konnten wir dann tatsächlich anfangen. Das Spiel an sich war ganz lustig geschrieben (auch wenn ich schockiert darüber war, dass bei einem Vampir namens Karnstein niemand an Carmilla dachte außer ich – auf Anas Party wäre dies nicht passiert :/ ) und wir spielten bis kurz vor Mitternacht, dann hatten wir den Endgegner besiegt. Danach war der Abend eigentlich gelaufen, doch Dome und Jasmin machten es sich auf der Couch gemütlich und es folgten die üblichen schlechten Lieder, welche mich schon seit Längerem nervten. Für mich waren die darauf folgenden zwei Stunden nur dazu da, den Abschied hinauszuzögern und den Abend unnötig in die Länge zu ziehen. Denn gespielt wurde nichts mehr, geredet auch eher weniger und am liebsten hätte ich mich nun verabschiedet, doch ich hatte nach den zwei Radlern noch ordentlich Waldmeister Likör getrunken und war somit nicht mehr in der Lage, die 60km nach Hause zu fahren und auf Michis Boden angewiesen…leider. Diese Entscheidung bereute ich nicht nur in den zwei kaugummiartigen Stunden nach Mitternacht, sondern auch in der Nacht auf der dünnen Isomatte und am nächsten Morgen, als ich drei Stunden lang am Handy saß und die Zeit totschlug, bis die anderen endlich aufwachten und ich nach Hause fahren konnte. Das ist irgendwie alles nicht mehr das Wahre und auch wenn ich nicht verstehe, wie aus meinem besten Freund in kurzer Zeit ein vager Bekannter wurde…ich kann meine Gefühle nicht ändern. Letztes Semester noch war ich fast jeden Abend bei den Beiden und nun möchte ich freiwillig eigentlich gar keine Zeit mehr mit ihnen verbringen und ich weiß nicht genau woher das kommt, doch es ist nunmal da. Diese Zeit ist einfach vorbei und da ich es nicht ändern kann wie ich empfinde, muss ich es akzeptieren…manchmal verändern wir unsere Sicht auf gewisse Leute im Laufe der Zeit, wodurch auch immer das ausgelöst wurde…

Lächerlich, dass ich bis vor kurzem noch dachte, ich könne mich ja 1-2x die Woche am Campus bei jemand einquartieren, damit ich ab Januar nicht jeden Tag die 120km von Zuhause bis zu meiner Thesisstelle fahren müsse, doch jetzt wird mir bewusst, dass ich keine andere Wahl habe. Eine Wohnung bekomme ich so schnell nicht mehr und ich möchte auf keiner Couch oder auf dem Boden übernachten, da fahre ich lieber. Eigentlich macht mir das auch nur wenig aus – wären da nicht die Spritkosten. Doch damit muss ich jetzt leben.

Auf die Frage hin, ob ich etwas in meinem Leben bereue, habe ich immer mit Nein geantwortet. Denn auch wenn ich Scheiße gebaut habe, es war immer zu etwas gut und ich habe meine Lektion daraus gelernt….doch meine Wohnung frühzeitig zu kündigen, ohne alles bis zur Thesis genau geplant und unter sicherem Dach zu haben, war ein Fehler und das bereue ich nun schmerzlichst. Ich vermisse meine 19 m², mein erstes kleines Zuhause, der Platz an dem ich machen konnte was ich wollte. Bei meinen Eltern zu leben ist kein Zustand für mich, es nervt einfach nur noch.

Mein anderer Opa wurde gestern ins Krankenhaus gefahren und liegt mit wer weiß was allem auf der Intensivstation. Schon über die Feiertage ging es ihm sehr schlecht, doch es hatte kein Arzt geöffnet zu dem er hätte gehen können und ins Krankenhaus wollte er nicht, dagegen hatte er sich bis zum Schluss gewehrt. Doch nun habe ich wieder einen Opa im Krankenhaus…jedoch ist diesmal alles anders. Zu meinem einen Opa hatte ich nie besonders viel Kontakt (und ehrlich gesagt, wir haben uns nie gut verstanden und das war auch der Grund dafür, warum ich die beiden nur so selten besuchen komme) und es berührte mich nicht so, als er ins Krankenhaus kam. Auch war er nach zwei Tagen wieder auf einer normalen Station, ich konnte ihn besuchen und habe gesehen, dass es ihm nicht so schlecht geht und er wieder auf dem richtigen Weg ist. Zu meinem anderen Opa, der jetzt auf der Intensivstation liegt, habe ich ein ganz anderes Verhältnis. Früher als Kind war ich drei mal die Woche dort, weil meine Eltern arbeiten waren und ich sonst alleine Zuhause gewesen wäre. Meine Omi hat dann für mich gekocht und mich mit zum Einkaufen genommen, während mein Opa mir alles in seinem Garten gezeigt hatte. Ich hatte ihm im Sommer geholfen beim Gießen und seine ganzen Blumentöpfe gewaschen, nachdem die Pflanzen in den Garten gesetzt worden waren. Ich hatte es immer bewundert, wie viel er selbst angebaut hatte und allen stolz erzählt, mein Opa sei Gärtner und hätte einen riesigen Nutzgarten mit Gewächshaus hinterm Haus. Im Winter hatten wir dann meist auf der Couch gelegen und Fernsehn geguckt, meistens Krimis zu Omas Entsetzen. Ganz früher auch Tom und Jerry, aber die Zeiten waren irgendwann vorbei. Ja, zu meinem Opa habe ich ein besonders Verhältnis und auch heute noch fahre ich jede Woche bei den beiden vorbei, lasse mich von Omi verwöhnen und genieße die Zeit dort. Über die Jahre habe ich vielleicht weniger Zeit bekommen, alles wurde stressiger, doch ich versuche immer, jede Woche dort vorbeizuschauen, auch wenn es neben Campus und Kellnern oft schwer war. Aber die beiden sind mir einfach ans Herz gewachsen und manchmal erzähle ich Omi mehr als meinen Eltern, weil sie mir besser zuhört – und im Gegensatz zu meinem Vater kann sie sich sogar die Namen der wenigen Leute merken, mit denen ich etwas unternehme. Deshalb mache ich mir gerade jetzt besonders viele Sorgen um meinen Opa und kann mit der Situation nur sehr schlecht umgehen. Dazu kommt noch, dass auch Zuhause alles momentan sehr stressig ist und ich es kaum aushalte.

Heute sollte eigentlich der Tag sein, an dem Ana vorbeikäme und wir mit meinen Cousinen, Maria und ein paar ihrer Freunde zusammen feiern gehen würden…doch erst sagten meine Cousinen ab wegen Krankheit, dann maulte meine Mutter rum als ich das Vorglühen zu uns verschieben wollte und als Maria schrieb, sie würde nun mit fünf Leuten kommen und am besten würden wir uns dann alle erst in der Stadt treffen, war es ganz vorbei. Denn darauf, mit dem Auto nach Trier zu fahren und den ganzen Abend lang nichts zu trinken hatte ich überhaupt keine Lust. Meistens macht es mir nichts aus, Fahrer zu sein, doch heute Abend hätte ich eine Ablenkung im Sinne von ‚Besoffen zu richtiger Musik tanzen‘ gut getan. Schweren Herzens habe ich Ana nun auch abgesagt und die Sache “auf ein andermal“ verschoben. Das wird wahrscheinlich nie eintreten aber was soll ich machen ? Morgen Mittag haben mich meine Großeltern zu diesem bescheuerten Mittagessen eingeladen, weil ich damals nicht auf dem 80. Geburtstag meines Opas war (sondern aufm Rocco del Schlacko) und als Dank dafür, dass ich die Oma so oft zum Krankenhaus gefahren habe…dafür waren wir aber bereits sonntags essen, genau im gleichen Restaurant, ich hatte eine Jogginghose angehabt und mich bis zuletzt geweigert, aber letzten Endes doch zugesagt weil es danach ins Krankenhaus ging und die Kantine am Wochenende geschlossen hatte, Oma aber etwas zu Mittag essen musste. Aber egal, wir waren Essen und gut ist. Ich kann ja nun schlecht Ana einladen, bei mir zu übernachten aber sonntags um Zwölf muss ich sie vor die Tür setzen, weil ich mit meinen Großeltern essen gehe und sie schlecht mitnehmen kann. Das ist doch alles scheiße. :/

 

…Und ich dachte wirklich, das Jahr würde gemütlich zu Ende gehen. Fünf Tage die Woche arbeiten gehen, am Wochenende etwas unternehmen oder einfach das freie Wochenende genießen…doch bald kommt wieder der Dezember, meine geliebte Weihnachtssaison bricht an…und mir wird aufs Neue schmerzhaft bewusst, dass ich auch in diesem Jahr niemanden habe, mit dem ich zusammen ein Lebkuchenhaus bauen könnte, ebenso wie Plätzchen backen, betrunken den Weihnachtsbaum dekorieren, jede Menge Glühwein trinken, verschiedene Weihnachtsmärkte besuchen, sich gegenseitig Adventskalender basteln, sich mit Tee und Plätzchen bei einem Weihnachtsfilm vorm Fernseher einkuscheln, in der Stadt hässliche Weihnachtspullis für den anderen kaufen, die man dann an Heiligabend tragen muss oder all den andern kitschigen Scheiß, den ich so gerne mal an Weihnachten machen würde…

…und darauf folgt dann Neujahr, welches mit dem Gedanken beginnen wird, dass ich auch in diesem Jahr niemanden ins neue Jahr küssen werde und damit kann 2018 ja nur noch besser werden….und die Aussicht auf vier Monate 120km am Tag fahren und weiterhin Zuhause wohnen machen es nicht besser…

Ach…fuck that shit….ich hätte einfach nur gerne eine kleine Pause von all dem Mist. Eigentlich wäre ich gerne in der ersten Januarwoche nach London geflogen und hätte mir endlich die Warner Bros Studios angeschaut, aber natürlich sind genau in dieser Woche die Flüge so teuer und die Stadt wird wohl überlaufen sein. I don’t know :/

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Mit dem Elan einer Kaffeefahrt

Die ersten Tage hatte ich bereits von meinem Praktikum in der Brauerei berichtet und davon, wie begeistert ich war, so viele praktische Erfahrungen sammeln zu dürfen und so viel erklärt zu bekommen. Ob es nun um die Malzanalyse, das titrieren von Reinigungsmitteln oder nur den Umgang mit dem Haworkaball ging, ich bekam eine Menge gezeigt und freute mich darüber, danach selbst alles ausprobieren zu dürfen. Doch nach den ersten zwei Wochen bin ich jetzt an einem Punkt angekommen, an welchem ein wenig die Luft raus ist, die rosarote Brille habe ich ausgezogen und ich fange an, mich ein wenig zu langweilen. Es gibt zwar immer etwas zu tun, doch auch immer Wartezeiten. Aber was mich am meisten stört ist die Geschwindigkeit, mit welcher die Aufgaben durchgeführt werden, denn diese passt so gar nicht zu der Arbeitseinstellung, die ich vom kellnern her gewohnt bin.

Nachdem ich die letzten beiden Tage auf Schulungen verbracht habe – die nicht besonders spannend waren, abgesehen von der detaillierten Brauereiführung und der Erkenntnis, dass die Kantine keinen Besuch wert ist. Denn außer manchen interessanten Funktionen von Office 365 konnte ich wenig anfangen mit den Appvorschlägen fürs Diensthandy, der Bedienung der Telefonanlage oder den schon bekannten Sicherheits- und Hygienehinweisen…jedenfalls war ich am Donnerstag wieder am Arbeitsplatz der Bieranalyse eingeteilt. Und während ich so um die zwanzig Minuten lang damit beschäftigt war, die Kohlensäure aus den Proben zu schütteln, wollte die Kollegin die übrigen Proben ins Ultraschallbad stellen zum Entkohlensäuren. Nachdem ich meine Arbeit erledigt hatte und mich ein wenig wunderte, wo sie steckte, ging ich zum Raum mit dem Bad, um die restlichen Flaschen zu holen und mit dem filtrieren Dieser zu beginnen. Denn ich nahm an, die Kollegin hätte diese vor einer Vierstelstunde ins Bad gestellt und sie wären nun fertig…doch als ich in dem kleinen Raum ankam waren dort weder Flaschen im Wasser, noch war überhaupt Wasser im Bad. Sehr merkwürdig – doch vielleicht war die Kollegin ja schon fertig und hatte die Flaschen bereits kurz vor mir wieder aus dem Bad genommen. Ich machte mich also auf den Rückweg zu unserem Arbeitsplatz…und auf halbem Weg sah ich die Kollegin, den Wagen mit den Flaschen vor sich – und quatschte munter mit einer anderen Kollegin….seit nunmehr über zwanzig Minuten !

Nicht falsch verstehen, ich gönne es den Leuten dort schon, dass sie so viel miteinander reden können, ihre Arbeit sehr gemütlich ausführen und trotzdem waren wir am Ende des Tages noch eine halbe Stunde vor Dienstende fertig mit allem – es ist nur für mich ungewohnt, da ich eine komplett andere Arbeit gewohnt bin. Im Restaurant durften wir nie länger als ein paar Sätze miteinander reden, sonst wurde man direkt vom Chef angeschnauzt. Auch war alle Arbeit direkt zu erledigen, ohne Pause dazwischen und Zeit, um gemütlich seinen Kaffee zu trinken oder sein Frühstück zu essen gab es auch nicht. Daran muss ich mich erst gewöhnen und momentan kann ich es noch nicht genießen sondern bin eher irritiert, weil ich ständig schaffen will, doch es momentan nichts zu tun gibt und ich warten muss. Damit habe ich noch so meine Probleme und mit den Kollegen werde ich leider auch nicht wirklich warm, um die Wartezeit zu überbrücken. Gestern z.B meinte ein etwas älterer männlicher Kollege, dass überhaupt nichts dabei wäre, wenn er jüngeren Kolleginnen auf den Hintern schauen würde, auch wenn diese so alt sei wie ihre Tochter. Die andere Praktikantin fiel daraufhin aus allen Wolken und meinte, dass sei doch nicht normal, sich als Mann so junge Frauen anzuschauen – und als eine andere Kollegin dann meinte, da seie nichts dabei, sie würde sich ja auch jüngere Männer anschauen und keine alten Rentner, begann eine heftige Diskussion des kompletten Laborpersonals…und ich konnte zu dem ganzen Thema nur die Augen verdrehen. Vier Stunden lang wich die Angelegenheit nur kurz der Frage, warum man denn einen Kalendar der knapp begleideten Hopfen Girls aufhängen dürfe aber ein Kalender mit nackten Männern nicht geduldet wurde…ohne Worte sag ich dazu nur !

Und auch bei den ständigen Unterhaltungen über die jeweiligen Hunde der Labormitarbeiter höre ich zwar gerne zu, habe aber auch nichts beizusteuern und bleibe somit wieder stiller Zuhörer. Es fällt mir wirklich schwer, mich in diese Gruppe einzufinden, da ich so überhaupt keine Anknüpfpunkte habe und mich lieder in Arbeit stürzen würde, als zu versuchen, irgendwie krampfhaft ein Gespräch anzufangen.

Gestern war Freitag und damit der kürzeste Tag in der Woche. Für vier Stunden arbeiten fahre ich also die 80 km Strecke zur Brauerei und natürlich war ich wieder zehn Minuten zu früh im Labor, um dem Stau zur Stoßzeit auf der Autobahn zu entgehen…und mal wieder war ich alleine. Die ersten beiden Mitarbeiter erschienen dann um zehn nach Sieben und erst um halb Acht tauchte meine Betreuerin für den heutigen Tag auf. Vertrauensarbeitszeit nennt sich dieses System und am liebsten würde ich auch länger schlafen und erst später erscheinen, da vor Acht eh niemand in die Pötte kommt – doch bei mir als Praktikant würde das bestimmt einen schlechten Eindruck machen und das möchte ich nicht. Bis die Geräte dann alle einsatzbereit waren war die erste Stunde schon wieder verstrichen und während ich in der darauf folgenden Stunde 20 Reinigungsmittel pipettierte, wobei ich langsam mit dem Haworka Ball warm wurde, und danach alle gezogenen Proben mit verschiedenen Indikatoren titrierte, quarkte meine Betreuerin munter mit einer Kollegin. Danach gab es dann eine halbe Stunde Frühstückspause (die ich unbedingt benötigte nach einer Stunde Arbeit) und da heute die andere Praktikantin ihren letzten Arbeitstag hatte futterten wir alle noch einen Muffin und die anderen schauten sich peinliche Bilder von ihr an. Bis wir wieder ins Labor gingen war es somit schon halb Elf und die letzte halbe Stunde füllte ich mit Pentaoctan-Aktivkohlegemisch abfiltrieren. Danach wurde die Praktikantin offiziell verabschiedet, bekam ein Geschenk überreicht und wir alle drückten sie nochmal und wünschten ihr viel Erfolg.

Nach diesem ‚anstrengendem Arbeitstag‘ ( :P) fuhr ich zu Omi und pennte dort auf der Couch ein, nachdem ich mit den beiden zu Mittag gegessen hatte. Ich bin einfach so müde den ganzen Tag über, obwohl mich die Arbeit im Labor weder körperlich auslaugt noch von der Denkleistung her groß überfordert. Klar, am Anfang gab es sehr viel zu lernen und auch jetzt, wo ich weiß, dass ich den Arbeitsplatz, an welchem ich die letzten Tage gearbeitet habe, bei Personalmangel übernehmen soll, passe ich besonders gut auf. Doch ich glaube so wirklich erschöpft bin ich nur, weil ich mich jeden Morgen so früh aus dem Bett quälen muss und auch wenn ich abends schon um Neun erschöpft ins Bett falle und direkt einschlafe – ich bin acht Stunden später nicht ausgeschlafen sondern einfach nur angefressen, warum ich schon so früh wieder aufstehen muss. Es ist einfach nicht meine Zeit und ich glaube auch nicht, dass ich mich daran noch gewöhnen werde.

Mal schauen, was das noch wird in den nächsten drei Monaten ^^

 

Von Anfang an mittendrin statt nur dabei

Auch an meinem zweiten Tag des Praktikums gab es wieder eine Menge neuer Geräte und Arbeitsschritte zu entdecken, diesmal war ich mit U. am Arbeitsplatz der Malzanalyse. Als Erstes wurde das gelieferte Malz aufgeteilt in einerseits die zu untersuchende Probe und das zweite Gefäß war für die Lagerung im Keller. Nachdem ein Teil des Malz geschrotet wurden war, erfolgte der Prozess des Kongress-Maischens (siehe wikipedia ^^). Da dieses Verfahren einiges an Zeit beantspruchte wurde mir währenddessen erklärt, wie die optische Prüfung auf rote Körnchen, sowie die Mürbigkeit, Glasigkeit, der Ausputz und die 2. Sorte des Malz gemessen wird mithilfe des Friabilimeters und einer kleinen Maschine mit vier unterschiedlichen Sieben. Nachdem das Verfahren ein Mal vorgeführt wurde durfte ich die anderen Proben selbst durchführen, also die Rohstoffe abwiegen, die Maschinen bedienen und die Auswertung übernehmen. Nachdem dies erledigt war und das Kongressmaischverfahren abgeschlossen war geschah als nächster Schritt das Abfiltrieren der trüben Flüssigkeit und danach kochten die abgefüllten Gläser zwei Stunden lang in einen Rücklaufkühler, bevor ein Kollege den Farbtest durchführen konnte. Unsere Aufgabe war es danach wieder, mithilfe des Kjeldahl Verfahrens eine Stickstoffbestimmung vorzunehmen und somit den Eiweisgehalt zu ermitteln.

Als letzte größere Aufgabe wurde mir dann das Nahinfrarotgerät erklärt und nachdem mir auch hier der Vorgang des Feinschrott messens gezeigt wurde bekam ich die Aufgabe, bei allen Proben eine Doppeltbestimmung des Wassergehalts und des Gesamtstickstoffgehalts durchzuführen und in die entsprechende Liste einzutragen.

Nachmittags sollte ich dann noch mithilfe eines ‚Elefantenrüssels‘ die Notduschen überprüfen und auch die Augenduschen testen – eine super Aufgabe, um das Labor kennen zu lernen und sich ein bisschen besser zurechtzufinden – und dann war ich auch schon fast entlassen. Vorher sollte ich noch ein paar Trübungsmessungen eigenständig durchführen, was mir gestern bereits gezeigt wurde und ich zum Glück recht gut behalten hatte und dann durfte ich Feierabend machen.

Es ist wirklich toll, wie viele Aufgaben ich schon in den ersten Tagen erledigen darf und nachdem mir das komplette Vorgehen gezeigt wurde habe ich meistens die Chance, es selbst zu versuchen. Also ich stehe jetzt nicht nur doof rum und schaue zu sondern ich kann aktiv mitmachen und lerne so eine Menge. Klar, nach ein paar Wochen werde ich alle Stationen des Labors gesehen haben und die meisten Aufgaben schonmal gemacht oder wenigstens zugeschaut haben, aber momentan freue ich mich über jede Kleinigkeit, die ich selbst erledigen darf und es macht Spaß. 🙂

Der Ernst des Lebens beginnt

Nachdem ich erst vor wenigen Tagen aus dem Surfcamp zurückkehrte (Berichte über die einzelnen Tage dort folgen ab diesem Wochenende, wenn ich etwas mehr Zeit habe – dann auch hoffendlich mit Bildern ^^) blieb mir natürlich nicht viel Zeit, mich ein bisschen zu erholen und mich auszuruhen, denn nach dem Nationalfeiertag gestern begann heute mein erster Praktikumstag im Zentrallabor der Brauerei. Natürlich fand ich es nicht so toll, vom Wecker um fünf Uhr morgens unsanft geweckt zu werden und auch die noch von der Schule halbwegs gewohnte Routine im Bad und danach Frühstück machen erledigte ich mehr oder weniger im Halbschlaf. Die eigentlich halbstündige Fahrt verlängerte sich durch den stockenden Verkehr, mit Navi fahren fand ich blöd und die Frau im Pfördnerhäusschen hatte recht wenig Kompetenz und schaffte es nicht einmal, ihren Computer anzuschalten, weshalb ich im Endeffekt noch viel später am Arbeitsplatz erschien als es geplant war – aber danach wurde es besser und von dem ersten Moment im Labor ging es nur noch Bergauf.

Der stellvertretende Laborleiter ging mit mir die Sicherheitsverordnung durch und danach wurde ich direkt an die liebe Ig. weitergereicht, welche mir an dem heuten Tag ihren Arbeitsbereich erklären sollte. Vorher führte sie mich noch im Labor rum, zeigte mir die einzelnen Räume und wies auf alle Feuerlöscher, Augenduschen sowie Notausgänge hin. Als erstes Gerät wurde mir der Beer Analyser vorgestellt, ein launisches Modell eines Biegeschwingers, welches dafür verwendet wird, den Alkoholgehalt der Stammwürze und des Bieres zu messen – wobei das Bier vorher noch entkohlenstofft werden musste. Dies geschah, indem man das Bier in Plastikgefäße umschüttet (welche natürlich keinen Stopfen besitzen), dann hält man seine Handfläche auf die Öffnung und schüttelt so stark, bis die komplette Kohlensäure entwichen ist. Ein Spaß für Jung und Alt, vor allem wenn ständig Bierschaum durch die Gegend spritzt, sobald man seine Hand leicht von der Öffnung löst. Danach wurde die schäumende Masse filtriert (teilweise mit oder ohne Zugabe von Kieselgur) und konnte nun in passenden Gefäßen in das Gerät gestellt werden für die Probenanalyse.

Der nächste Arbeitplatz, welcher mir gezeigt wurde, war der Forcierraum. Forcieren bedeutet, dass das Bier auf künstliche Weise gealtert wird, in dem man es verschiedenen Außentemperaturen  aussetzt und dann schaut, wie sich die Trübung verändert. In meinem Falle habe ich zuerst Proben untersucht, welche bereits fünf Tage lang im Wärmeschrank bei 60 Grad gelagert worden waren, bevor sie im Kältebad auf 0 Grad heruntergekühlt wurden. Der zweite Satz an Flaschen hatte bereits eine längere, unbestimmte Zeit im Wasserbad verbracht, welches seine Temperatur alle 24 Stunden von 60 auf 0 Grad änderte. Bei dem dritten und größten Satz an Flaschen, welche ich auch erst nachmittags bearbeitete, handelte sich um eine 6 monatige Lagerung, was zur Folge hatte, dass man die Flaschen erst kurz schwenken musste, um einen entstandenen Absatz vom Glasboden zu lösen. Nun wurden die Flaschen der Reihe nach in das kleine Photometer gestellt, welches die Trübung in EBC gemessen hat und wenn dieser Wert 2 überschritt, wurde die Flasche aussortiert. Denn ab diesem Wert ist die Trübung mit dem menschlichen Auge sichtbar und da man dies vermeiden möchtesagt man, dass ab diesem Punkt die Haltbarkeit des Bieres überschritten ist.

Nachdem ich also immer mal wieder in diesem Räumchen war und neue Flaschen in das Photometer stellte, dann mithilfe des Barcodes die Identität der Flasche eingab und gelegentlich andere kleine Aufgaben erfüllte, ging der Tag recht schnell rum. Mit einem Liter Wasser wurde ich versorgt, zwischendurch durfte ich eine Frühstückspause machen und auch die Mittagspause war länger als gedacht. Nur die letzten zwei Stunden wurden dann wieder etwas stressig, als es um die Titration ging. Diese kannte ich in den Grundzügen ja bereits aus der Uni, jedoch hatte ich dort immer nur mit einem Peleus Ball gearbeitet und niemals einen Howorka Ball in der Hand gehabt. Auch wurden die Farbreaktionen, welche ich im Anorganik Praktikum vor drei Jahren durchgeführt hatte, mithilfe einer Bürette durchgeführt und nicht mit automatischen Pipetiermaschinen, welche man nur mit einem Knopf bedienen musste, um tropfenweise Flüssigkeit hinzuzugeben. Auch die Messung über die zugegebene Lösung erfolgte digital, man musste wirklich nur das Feinefühl besitzen, wie lange man den Knopf drücken durfte, bis es zur Farbreaktion kam. In diesem Moment habe ich mir gewünscht, damals in Organik besser aufgepasst zu haben, als der Trennungsgang durchgenommen wurde. Denn bei den Titrationen handelte es sich um Nachweisreaktionen für bestimmte Stoffe, welche mithilfe des Indikators Phenolphthalein nachgewiesen wurden. Je nachdem, wie schnell oder langsam die Flüssigkeit durchsichtig oder pink wurde, desto mehr oder weniger der jeweiligen Säure oder Lauge war im zu analysierenden Reinigungsmittel vorhanden. Die genauen Vorgänge kenne ich leider nicht mehr, es war einfach zu viel auf einmal, um sich alles zu merken. Ich weiß nur noch, dass sich Braunstein bildete, welcher durch Zugabe von Kaliumiodid wieder gelöst wurde und danach wurde Natriumthiosulfat hinzugegeben…oder war es Cyanat ? Ja, die ganzen Reaktionen waren wirklich ein bisschen verwirrend und zu schnell für mich, aber vielleicht frage ich nochmal nach.

Wichtiger ist jedoch, dass ich hoffendlich in den nächsten Tagen die Gelegenheit bekomme, das Pipetieren mit dem Howorka Ball zu üben und die ersten Titrationen eigenständig durchführen kann. Durch den Feiertag gestern hatte sich heute eine Menge an Arbeit angehäuft, wodurch am Schluss auch leider nicht viel Zeit blieb, die Bedienweise des Schaumprüfers auf Festigkeit zu erklären. Aber ich bin ja noch ein paar Tage dort und somit bleibt noch genug Zeit, den Arbeitsbereich der Bieranalyse genauer kennen zu lernen. Und natürlich werde ich im Verlauf der Wochen auch die restlichen Stationen noch genauer erklärt bekommen. Es wird also jeden Tag etwas Neues geben und auch wenn es sehr anstrengend ist und mein Kopf danach ziemlich brummt, so ist es doch eine aufregende Zeit und ich freue mich schon auf morgen…aber auch genauso sehr auf das Wochenende vor der Couch und den gemütlichen Spaziergang mit meiner Cousine am Sonntag, gefolgt von Flammkuchen und Federweißer. Man muss ja die Balance finden zwischen Arbeit und Freizeit :))

Der feurige Abschiedsgruß über Portugal

Der letzte Tag im Camp war recht unspektakulär und es gibt nicht viel zu erzählen. Morgens haben wir ein letztes Mal das reichliche Frühstück ausgenutzt, uns für den Rest des Tages Brötchen belegt, Süßes und Obst eingepackt und danach haben alle ihre Koffer gepackt und sind im Laufe des Vormittags abgereist. Ein paar Nummern wurden noch ausgetauscht, immer wieder verließ jemand das Camp und wurde noch ein letztes Mal umarmt und ab Zwölf waren nur noch meine Reisebegleitung und ich übrig, abgesehen von der Crew. Wir lagen auf Sitzsäcken in der Chill out Area und spielten fast zwei Stunden lang Canasta (Ich gewann sehr hoch und verlor irgendwann die Lust) und danach legte ich mich einfach hin und genoss die letzten Sonnenstrahlen, bevor der Airport Shuttle uns um zwei Uhr abholte.

Die Rückfahrt verlief deutlich entspannter als die Hinfahrt. Die Familie aus Martinhal machte auf mich keinen freundlichen Eindruck sondern wirkte überheblich, aber ich musste mich glücklicherweise nicht mit ihnen unterhalten sondern überließ die Konversation meiner Mitreisenden. Am Flugplatz angekommen saßen wir die nächsten fünf Stunden zuerst draußen und checkten dann ein, um noch einge gefühlte Ewigkeit am Gate zu sitzen. Die meiste Zeit davon döste ich vor mich hin, schrieb meine Postkarten und ließ den tollen Urlaub Revue passieren. Auch wenn ich mit meiner Reisebegleitung nur Streit gehabt hatte – das Surfen war unerwarteter Weise total mein Ding gewesen und ich hatte vom ersten Moment an Spaß im Meer gehabt. Diese Woche werde ich in guter Erinnerung behalten, denn ich habe viel erlebt, viel gelernt und mich sehr wohl gefühlt. Hoffendlich habe ich bald nochmal die Gelegenheit, ein Surfbrett über den Strand zum Meer zu tragen und mich von den Wellen treiben zu lassen. Das wäre wirklich toll.

 

Und als wir dann endlich, nach einem langen Tag des Wartens und dumm Rumsitzens, ins Flugzeug einstiegen, verabschiedete sich Portugal mit einem wunderschönen feuerroten Sonnenuntergang – den wohl keine Kamera der Welt odentlich eingefangen hätte und am wenigsten mein altes Handy.

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Irgendwann gab ich die Versuche auf, diesen wunderschönen Moment einzufangen und lehnte mich einfach zurück, schaute aus dem Fenster und beobachtete, wie der glühend rote Streifen immer kleiner wurde, irgendwann ganz verschwand und das Fenster in ein tiefes Schwarz tauchte. Das farbenfrohe Prisma verschwand langsam und somit ging auch der Urlaub zuende.

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Um kurz nach Mitternacht kamen wir am Flugplatz an, verließen beide vom jeweilig anderen Ende des Flugzeuges unsere Sitzplätze und trafen uns erst vor der Kofferausgabe wieder, bevor wir uns ganz von einander verabschiedeten und den Heimweg in unterschiedliche Richtungen antraten. Und seit diesem Moment haben wir recht wenig Kontakt…zusammen zu verreisen ist keine gute Idee und kann eigentlich nur schief gehen, das habe ich diesen Sommer definitiv gelernt.

Die unbarmherzige Seite des Meeres

So bricht nun also der letzte Tag im Surfcamp an und heute morgen bekamen wir beim Frühstück gesagt, dass die Wellen momentan zu stark seien und wir aufgrund der Lage erstmal nicht zum Strand fahren würden, sondern der Theorieteil, welcher eigentlich erst für nachmittags geplant war, vorgezogen werden würde. Also fing der Tag entspannter an und nachdem sich alle ein Lunchpaket eingepackt hatten und das Geschirr und Besteck gespült war trafen wir uns wieder im Essenszelt, wo die Bierbänke bereits zur Seite geschoben waren und einem Beamer Platz verschafft hatten. Die Stunde war ganz lustig, wenn auch nicht so lehrreich. Es gab ein paar Hintergrundinformationen zur Surfgeschichte, den verschiedenen Boards und Finnen, sehr vage Erklärungen zu den Wellen und Strömungen (“Those weird circles there…you don’t have to know about them. Fuck that, that’s not important….“) und das wars auch schon. Also keine Weltbewegenden Neuigkeiten und ich würde nicht sagen, dass mir diese Stunde etwas in der Praxis geholfen hätte – aber die beiden Surflehrer haben die Stunde ganz lustig gestaltet ^^

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“Noone cares about these weird circles there, fuck them, they are not important“

Gegen Mittag sind wir dann zum Praia do Barranco Beach gefahren, dem Strand, an welchem wir bereits am ersten Surftag waren und mit welchem ich sehr gute Erinnerungen verknüpfte. Jedoch zeigten sich die Wellen heute von ihrer unzähmbaren wilden und unbarmherzigen Seite. Statt den super langen weißen Schaumwellen, auf welchen man sich ein weites Stück bis zum Strand treiben lassen konnte erwarteten uns heute genau das Gegenteil – starke Wellen, die erst am Strand lauthals krachend brachen. Na das konnte ja lustig werden…Eins stand fest: Ein paar harmlose kleine Wellen zu stehen und dann mit einem tollen Gefühl nach Hause zu fahren und den Surfurlaub gut abzuschließen konnte ich vergessen, denn einfache Wellen waren heute Wunschdenken und bei dieser Kraft konnte ich froh sein, wenn ich überhaupt eine Welle bekam und nicht absoff.

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Fuck, das sah alles andere als freundlich aus :/

Fünf Surfanfänger sind erst gar nicht ins Wasser gegangen und ich hätte es ihnen gerne gleichgetan. Nach ein paar Minuten standen bereits zehn Leute am Strand und dachten sich “Nö du, nicht mit mir“, denn es machte heute einfach keinen Spaß. Ich habe mich überwunden ins Wasser zu gehen aber wie schon gesagt war Weißwassersurfen heute unmöglich. Stattdessen sollten wir uns alle aufs Brett legen und rauspaddeln, hinter die ersten starken Wellen, die erst am Strand brachen und dort auf Grüne Wellen warten. Mir war das Ganze von Anfang an nicht Geheuer. Solange ich mein Brett neben mir herziehen konnte und festen Boden unter den Füßen hatte fühlte ich mich sicher. Normalerweise konnte man auch weit ins Meer gehen und trotzdem noch stehen, das beruhigte mich immer und somit konnte ich trotzdem Wellen erwischen, ohne vorher auf dem Brett liegend hinauszupaddeln. Denn allein die Tatsache, dass es sein könnte, dass ich vielleicht nicht mehr stehen könnte, beunruhigte mich und vor allem verunsicherte es mich. Ich bin halt ein sehr schlechter Schwimmer, doch solange ich stehen kann ist alles ok…aber diesmal blieb mir keine große Wahl, denn die Wellen schoben mich energisch zum Strand zurück und die einzige Chance, in surfbaren Bereich zu gelangen, war hinauszupaddeln. Also legte ich mich auf das Brett und begann zu den anderen zu paddeln. Die Wellen brachen ja nicht, also wurde ich auf dem Brett einfach über sie gehoben und nach einer Weile war das Meer komplett ruhig und kurzzeitig wellenlos. Schon ein bisschen unheimlich – doch was auf die Stille folgte war noch viel schlimmer. Eine riesige Welle tat sich vor mir auf und ich wusste genau: Die würde direkt vor mir brechen und mich unter sich begraben. Ein Entkommen gab es in diesem Moment für mich nicht mehr (dachte ich zumindest – erst im Nachhinein wurden mir die Vorteile der Eskimo Rolle erklärt), doch ich hoffte, sie könnte mich einfach auf dem Brett liegend zum Strand katapultieren. Also drehte ich mein Brett, paddelte an so stark ich konnte und…..platsch…die Welle erwischte mich mit voller Power und brach über mir zusammen…alles wurde dunkel…ich wusste nicht mehr wo oben oder unten ist…die Welle wirbelte mich umher und ich bekam keine Luft mehr…fand die Wasseroberfläche nicht…geriet in Panik und schluckte Salzwasser…und noch mehr Salzwasser….

Als ich schließlich wieder auftauchte hatte ich jede Menge Wasser geschluckt und anstatt zu atmen spuckte ich nur Wasser aus, bevor ich wieder Luft bekam. Keuchend und Hustend hing ich an einem Surfboard (ob es mein Eigenes war weiß ich an dieser Stelle gar nicht mehr, nur noch, dass ich die Stimme der einen Schwester hörte, die mich mehrfach fragte, ob alles ok sei. Doch vor Spucken und Würgen bekam ich kein Wort raus und krallte mich nur an dem Board fest, um über Wasser zu bleiben). Danach kam sehr schnell einer der Suflehrer (ob er die Szene vom Strand aus gesehen hatte oder einer der anderen Surfschüler das Hilfezeichen gegeben hatte weiß ich auch nicht mehr, nur noch, dass er mich irgendwie an der Hüfte packte und zum Strand schleppt). Ich konnte kaum gehen, meine Knie waren wacklig und ich zitterte am ganzen Körper. Pausenlos würgte ich vor mich hin, auch wenn irgendwann kein Wasser sondern nur noch Schleim aus meinem Mund kam und der Anblick alles andere als schön war. Ich bin einfach nur froh, dass der Surflehrer so schnell zur Stelle war und mich aus dem Wasser holte und auch andere Crewmitglieder fragten nach meinem Zustand und ob sie irgendetwas tun konnten. Ich setzte mich allerdings nur in den Sand, das große Handtuch um mich gewickelt und zitterte vor Schock. Ich hatte so oft damit gescherzt, dass ich keinerlei Erwartungen ans surfen hätte und mein Ziel nicht sei, nach einer Woche auf dem Board zu stehen sondern dass es schon toll wäre, wenn ich nicht ertrinken würde und heil wieder nach Hause käme. Auch hatte ich immer gescherzt “Dafür fahre ich ja mit jemand ins Surfcamp, der Rettungsschwimmer ist. Sie kann mich ja dann retten kommen wenn ich absaufe.“ Und wo war meine tolle Reisebegleitung jetzt ? Noch im Wasser und anfangs dachte ich, sie habe einfach nur nichts von dem Zwischenfall mitbekommen aber als zwanzig Minuten später alle aus dem Wasser gerufen wurden, weil die Wellen einfach zu stark und zu gefährlich für uns seien, fragte sie mich obs mir wieder besser ginge und als ich dieses, immer noch würgend, verneinte, sagte sie gar nichts mehr. Währenddessen rebellierte mein Magen komplett und übel war gar kein Ausdruck mehr dafür, wie ich mich fühlte. Ich habe mich dann dazu gezwungen, so viel wie möglich zu trinken, schließlich trocknet das ganze Salz ja den Körper aus…und das rumkauen auf einer Reiswaffel, die mir eine der Bielefelder angeboten hat, half dankbarerweise auch weiter. Trotzdem war mir die Lust erstmal vergangen und ich brauchte eine Pause. Der Vorschlag des Teams war Bodyboarden, da die Wellen zum Surfen zu stark seien doch das verstand ich vom Prinzip her schon nicht, also wartete ich erstmal und hörte “Die Drei ???“ mit Freda. Auch die anderen vom Surfcamp lagen in der Sonne, bräunten sich, teilweise wurde gelesen oder gedöst und gelegentlich hörte man die Pfälzer giggeln, weil sich mein Husten/Würgen irgendwie lustig anhörte. Naja wenn sie meinen…^^

Nachdem ich etwas ordentliches gegessen und viel getrunken hatte wurde es langsam wieder besser, mein Magen beruhigte sich – passend zu den Wellen, denn auch diese wurden ein bisschen freundlicher und so durften wir wieder ins Wasser und sollten unser Glück erneut versuchen. Große Lust hatte ich nicht und ich hätte mich auch gut den anderen anschließen können, die ebenfalls beschlossen hatten, ihre Neoprenanzüge für heute an den Nagel zu hängen – doch ich war mein halbes Leben lang geritten und da heißt es “Sofort wieder aufsteigen, wenn man vom Pferd gefallen ist !!“ und das konnte ich nur bestätigen. Auch wenn es nach einem Sturz nur noch im Schritt durch die Halle ging, hauptsache man saß wieder auf und beendete die Stunde nicht mit der schmerzlichen Erfahrung, denn sonst würde die nächste Reitstunde zur Qual werden und man würde gar nicht mehr aufs Pferd wollen. Und genau so dachte ich mir das jetzt auch beim Surfen und beschloss, wenigstens ein paar der Weißwasserwellen zu versuchen. Diese brachen jetzt nicht mehr direkt im Sand sondern weiter hinten, so dass ich bis zu diesem Punkt ins Wasser gehen konnte und mich dann von dort aus aufs Brett legen und die Welle anpaddeln konnte. Lange Ritte würden dies nicht werden und viele der kleinen Wellen hatten auch nicht mehr viel Kraft, aber hauptsache ich würde noch ein oder zwei Mal auf dem Brett stehen und könnte das Camp dann mit einem guten Eindruck verlassen.

Gesagt, getan, also auf ging es zum zweiten Mal ins Wasser !

Leider klappte anfangs so überhaupt gar nichts. Immer wieder versuchte ich, eine Welle zu erwischen und wurde immer verbissener darin, doch noch ein letztes Mal ordentlich auf dem Brett zu stehen. Nach vielen gescheiterten Versuchen gelang es mir am Ende aber doch noch, zwei Mal solide auf dem Brett die paar Meter bis zum Strand zu stehen und damit gab ich mich dann auch zufrieden. Es war eine lange Woche gewesen und spätestens dieser Vormittag hatte mir den Rest gegeben, ich war am Ende meiner Kräfte und meiner Belastbarkeit angelangt und hatte mein bestes gegeben. Ich weiß, dass ich heute nicht meine beste Leistung erbracht hatte, doch darum ging es auch nicht und trotzdem konnte ich mit einem guten Gefühl mein Brett zum Strand schleppen, denn ich hatte mein Ziel erreicht und diese Surfstunde mit einem guten Erlebnis beendet und das war alles, was für mich in diesem Augenblick zählte 🙂

…Meine Reisebegleitung konnte dies leider nicht von sich behaupten und schimpfte schon lauthals rum, als ich mein Handtuch erreichte. Sie hätte die perfekte grüne Welle angepaddelt und dann wäre ihr jemand nicht aus dem Weg gegangen und sie hätte abspringen müssen und dabei ein Brett gegen den Kopf bekommen. Dabei wäre dies der perfekte Abschluss gewesen und nun sei alles scheiße, weil sie diese eine Welle nicht gestanden habe. Ich hatte die Situation zufällig auch beobachtet und besagtes armes Menschlein, welches sich erdreistet hatte, ihr im Weg zu stehen surfte wenige Augenblicke zuvor auch eine sehr gute Welle und freute sich einfach nur über seinen Erfolg, als er über den Haufen gefahren wurde. Aber egal wie die Geschichte auch war, der ganze Bus durfte sich auf der Rückfahrt Verwünschungen über den armen Jungen anhören…da war mir ihr großes Schippchen, welches sie auf der Hinfahrt gezogen hatte, doch lieber gewesen. Da war sie nämlich eingeschnappt, weil wir heute zum Südstrand fahren würden und da würde die Sonne dann blöd stehen, so dass man keine Bilder machen konnte und sie habe ja noch kein tolles Surfbild von sich…hach je, wenn man sonst keine Probleme hat. Habe ich schon erwähnt, dass sie Schmerzen im Handgelenk hat ? Aber nach der Story mit ihrem Fuß vom ersten Tag bin ich darauf erst gar nicht eingegangen. Sonst bin ich immer sehr besorgt um meine Mitmenschen und kümmere mich, aber meine Schmerzgrenze war heute, am vorletzten Tag, mehr als überreizt und da sie es auch nicht zu kümmern schien, dass ich heute fast ertrunken war, schenkte ich der Szene um ihr Handgelenk keine Beachtung und auch ihr typisch brasilianischer Tobsuchtsanfall über den Zusammenstoß im Meer prallte an mir ab und wurde nur mit einem schwachen “Na wenigstens bist du nicht fast ertrunken“ kommentiert. Nach ihrem “Ich habe auch Wasser geschluckt und die Wellen waren schon krass heute, aber ich bin ja eine gute Schwimmerin“ sagte ich dann überhaupt nichts mehr und war froh, als wir wieder am Camp angekommen waren.

Dort ging es erstmal heiß duschen und zur Feier des Tages zog ich heute sogar mal eine Jeans an und gammelte nicht den Rest des Tages wie sonst üblich in meiner schwarzen Primark Jogginghose. Die ist nämlich nach der Woche hier im Sand eh schon steif vor Dreck, weil ich sie jeden Abend nach dem Surfen, immer zum Schlafen und bei jeder Jogastunde anhatte. Vielleicht hätte ich sie zwischenzeitlich mal mit Rei aus der Tube waschen sollten, aber dazu war Erstens kaum Zeit, Zweitens wäre sie über Nacht auch nicht trocken geworden, somit hätte ich sie schon vormittags Waschen und dann in die pralle Sonne hängen müssen…und Drittens hätte es eh nichts gebracht, da sie Stunden später wieder genauso dreckig geworden wäre.

Heute war alles etwas gemütlicher als sonst, somit konnte ich nach dem Duschen noch zwei Stunden in der Hängmatte liegen und erst dann gab es das abendliche Barbeque. Als besonderen “Nachtisch“ bekam jeder eine halbe Melone überreicht, gefüllt mit einer sehr leckeren Mischung aus Wodka, Zitrone, Limette und Minze. Ein Traum *.*

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Wir saßen mit sechs Leuten gemütlich im Kreis zusammen, spielten das Bieber Spiel der beiden Schweizerinnen und hatten unseren Spaß. Selbst meine Reisebegleitung trank ihre besoffene Melone, obwohl sie ja angeblich nicht mehr trank seitdem sie einen neuen Freund hat (Fragt mich nicht was das eine mit dem anderen zu tun hat, ich weiß es bis heute nicht). Die Stimmung war gut, ich hatte eine Menge Spaß und bald holte die eine Bielefelderin ihre Polaroidkamera aus dem Zelt und wir machten ein paar Abschiedsbilder.

Leider musste um Elf die Musik ausgemacht werden, da es auf dem Campingplatz eine Nachtruhe gab, doch manche der anderen Camper und der Großteil der Crew beschloss, noch nach Sagres zu den Bars zu gehen und dort weiterzufeiern. Und ich weiß nicht mehr wie ich mich dazu überreden ließ, doch Freda wollte eine Nacht im Urlaub gefeiert haben und da sie am Mittwoch nicht mitgekommen war, schleppte sie mich kurzerhand mit und wir trotteten den anderen hinterher in die Stadt. Es war eine der spontansten Aktionen, die ich je gemacht hatte, denn ich hatte weder Geld noch Ausweis dabei, einen dicken Hoodie an (in welchem ich mich nachher im Club zu Tode schwitzen sollte) und durfte die dickte Polaroidkamera von Freda schleppen….doch es war ein lustiger Abend. Auf dem Weg verloren wir zwar Tet und den Engländer hinter einer Mauer (ehhm…ohne Kommentar), doch in der Bar angekommen war die Musik wirklich gut und wir feierten…zu jedem zweiten Lied, da es Freda permanent zu warm oder zu kalt war und wir deshalb ständig rein oder rausgingen. Auch stellte sich heraus, dass sie ein Partyraucher war – der allerdings nicht selbstständig Zigaretten drehen konnte sondern etwas so trauriges zusammenbastelte, dass man ihr einfach helfen musste. ^^

Irgendwann nach Drei machten wir beide uns auf den Heimweg und redeten darüber, dass es sehr schwer sei, die richtige Reisebegleitung zu finden. Denn wir beide hatten so unsere Probleme mit unseren Zeltpartnerinnen und der Entschluss stand bei uns beiden fest, sich beim nächsten Urlaub andere Begleitungen zu suchen. Es ist halt einfach schwer, mit Menschen mehrere Tage zu verbringen, die man sonst nur ein paar Stunden lang ertragen muss. Im Laufe dieser Unterhaltung erfuhr ich auch, dass sich Bk. über mich beschwert hatte und mir die Schuld in die Schuhe geschoben hatte, dass mir ja bei der letzten Partynacht kalt gewesen sei und ich unbedingt zurück zum Camp gewollt hätte…unfassbar einfach nur.

Aber egal, darüber ärgere ich mich jetzt nicht mehr. Hauptsache, ich hatte neue Nacht Spaß gehabt. Manchmal muss man sich einfach von anderen mitreißen lassen und schauen wo man endet. In diesem Fall war es eine kleine Bar in Sagres und es war genau die richtige Entscheidung, einfach mitgegangen zu sein.

Nur mal schauen wie meine Reisebegleitung morgen auf mich reagieren wird, schließlich bin ich einfach mit, ohne Tschüss zu sagen. Aber wir gehen in den letzten Tagen eh oft unsere eigenen Wege und kleben nicht aneinander und morgen reisen wir eh ab, also was soll sie denn groß maulen ? Und wenn schon…sie wäre eh nicht mitgekommen, weil ihr wahrscheinlich wieder kalt geworden wäre und auf diese Szene ein zweites Mal konnte ich dankend verzichten.

Yoga am kleinsten Strand der Welt

Heute Morgen kehrte wieder der Alltag im Camp ein, also hieß es um sieben Uhr aufstehen, sich schonmal umziehen für den Strand und um Acht zum Frühstück erscheinen, Müsli in sich reinstopfen und sich dann reichlich Brötchen und Süßes für mittags einpacken. Auch heute ging es wieder nach Ponta Ruiva, dem Strand der letzten Tage, nur mit einer kleinen Änderung in der Aufteilung. Denn dieses Mal gab es nur eine Gruppe und wir wurden nicht mehr aufgeteilt sondern gingen alle gemeinsam 1,5 Stunden lang ins Wasser, machten dann eine Stunde lang Pause und dann ging es erneut für eine Stunde ins Wasser.

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In der Pause zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite und innerhalb weniger Minuten waren wir vom Nebel verschluckt

Der zweite Durchgang verlief bei mir besser als der Erste, da am Morgen die Wellen sehr stark waren und mich immer wieder zurück zum Strand drückten. Für jeden Schritt, den man sich nach vorne kämpfte wurde man wieder zwei Schritte nach hinten geschoben von den Wellen und es war sehr mühsam, überhaupt ein paar Meter vom Strand wegzukommen. Allein schon, in den richtigen Spot zu gelangen in welchem ich hätte eine Weißwasserwelle nehmen können war ein enormer Kraftaufwand und schließlich dort angekommen erwichte ich ein paar der schwächeren Wellen und mir gelang der Take off, doch nach dem kurzen Ritt hieß es wieder zurück ins Meer und standhaft sein gegen so einige kraftvolle Weißwasser Wellen, die teilweise sehr schnell aufeinander folgten. Bei einer starken Welle hielt ich zwar mein Board fest mit der linken Hand, doch dieses wurde durch die Kraft der Welle so stark nach hinten gedrückt, dass ich mir den Arm umdrehte und seitdem hatte ich starke Schmerzen, sobald ich den Arm belasten musste. Der Take off wurde somit alles andere als angenehm, doch ich beschwerte mich nicht und machte auch keinen Aufstand. Stattdessen biss ich die Zähne zusammen bei den letzten Durchgängen, surfte noch bis zum Strand weil dort jemand Bilder von uns machte und freute mich auf ein paar hoffendlich schöne Fotos als Erinnerung 🙂

Durch die auf das Surfen folgende Yogastunde wurden die Schmerzen im Arm etwas besser, doch vollständig weg gingen sie nicht und es sollte noch Wochen dauern, bis ich ihn wieder voll belasten konnte. Das beeindruckendste an dieser Stunde war allerdings die unfassbar tolle Location, an der wir uns befanden. Kurz vor dem Spot, an welchem wir am ersten Abend den Sonnenuntergang angeschaut hatten, befand sich eine kleine Bucht mit weißem Sandstrand, die wohl ein richtiger Geheimtipp war. Als ich am Montag Abend den Felsen genauer erkundet hatte, konnte ich den kleinen Strand nicht entdecken, da er gut versteckt war und auch von unserer Parkbucht an der Straße aus ließ nichts darauf hindeuten. Wir kletterten wie bereits ein paar Tage zuvor den felsigen Weg hinab zum Meer und erst ein paar Meter, bevor wir am Ziel angekommen waren, erkannten wir den kleinsten Strand, den ich je gesehen habe. Es war wirklich traumhaft schön dort und allein schon für die Locations hat es sich gelohnt, mitzufahren. Durch das laute Rauschen des Meeres habe ich zwar manchmal nicht verstanden, wenn wir die Übung beendeten oder eine neue Position einnahmen aber egal, beim Yoga geht es ja um Entspannung von Körper und Geist und das hatte ich auf jeden Fall. 🙂

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Der schnuggeligste Strand der Welt – perfekt fürs Yoga :))

Nachdem wir wieder im Camp angekommen waren verewigte ich mich in Pias “People I absolutely adore“ Book, welches sie mir gestern gegeben hatte. Für sie war das Surfcamp nur die erste Station eines längeren Roadtrips durch Portugal und ihre Freundinnen hatten ihr das Buch geschenkt, damit sie Erinnerungen an die Personen sammeln konnte, denen sie auf ihrer Reise begegnet war. Eine schöne Idee :))

Danach gab es Couscous mit Gemüse und wie jedem Abend einen leckeren Salat, dieses Mal mit Ananas. Nach dem Duschen war es dann schon fast halb Zehn und Pia war müde, also gab es heute Abend leider kein gemütliches Zusammensitzen und quatschen mehr. Vielleicht wurden die beiden während dem Abspülen auch schon genug über teure Schwimmausrüstung und Markenwahn vollgequatscht und hatten nun keine Lust mehr, wer weiß…mir ging es zumindest so. ^^ Auch den gleichnamigen Wein würden wir ein anderes Mal kosten müssen und nicht heute Abend, so wie wir es gestern geplant hatten. Aber ich konnte es gut nachvollziehen, dass sie nach dem Surfen erschöpft war und ihre Ruhe benötigte, um Morgen, an unserem letzten Tag im Camp wieder fit zu sein. Mir geht es ähnlich, also lasse ich den Abend gemütlich in der Hängematte liegend ausklingen und höre dem Abendprogramm zu. Dieses Mal gilt Mädels gegen Jungs und die beiden Teams müssen sich zu verschiedenen Kategorien Songs ‚ausdenken‘ (naja eigentlich bekannte Lieder singen, doch manchmal habe ich das Gefühl, manche Lyrics wurden ein bisschen zu einem bestimmten Thema gebastelt und stimmen nicht so ganz) und diese singen. Ganz lustig anzuhören, aber ich bin froh, dass ich nicht gezwungen werde mitzumachen sondern das Ganze aus der Ferne anhören kann. Es macht mir nichts aus, alleine in der Hängematte zu liegen und zu entspannen – man muss ja nicht jedes Abendprogramm mitnehmen ^^

Danach gab es noch eine Runde “Ein Mal um die Bierbank klettern“ (Was auch immer das für ein Sport sein soll) und in der letzten Runde wurde Limbo getanzt (Wobei manche das Prinzip nicht so recht verstanden. Einfach nur stark in die Knie gehen aber im Rücken komplett gerade bleiben kann ich auch, das ist ja keine Kunst sondern einfach nur ausnutzen der geringen Körpergröße). Insgesammt gewannen die Mädels mehr Runden und somit durften sie sich am Ende eine Bestrafung für das Verliererteam aussuchen. Diese bestand dann darin, dass die Jungs ihr Shirt ausziehen mussten und dann mit einem Gartenschlauch nassgespritzt wurden.

Während ich so in der Hängematte vor mich hinschaukelte wurde mir bewusst, dass morgen schon der letzte Tag im Camp sein würde. Ein letztes Mal noch zum Strand fahren und Surfen, dann hätten wir den Nachmittag zur freien Verfügung bis zum Barbeque am Abend und danach würde es wohl eine Abrissparty geben, denn wir waren die letzten Besucher des Camps für dieses Jahr. Die Leute hier waren wirklich alle ok und ich konnte mich über nichts beschweren…außer meine Mitreisende halt. Ich wusste ja bereits aus der Uni, dass sie sehr von sich selbst überzeugt ist und ihre Miniongröße mit einem doppelt so großen Mundwerk ausgleicht, doch ihre Aufmerksamkeit-Geilheit war wirklich schwer zu ertragen auf Dauer und Etwas, mit dem ich nicht umgehen konnte. Im Nachhinein betrachtet hätte ich auch gut alleine fahren können, schließlich war ich auch schon alleine nach Island geflogen und hatte dort gelernt, dass man eigentlich nie wirklich alleine ist, auch wenn man ohne Begleitung angereist ist. Auch hier im Camp habe und hätte ich auch ohne sie ein paar nette Menschen kennen gelernt. Die beiden Bielefelder zum Beispiel (die auch ein paar Probleme hatten und einsehen mussten, dass zusammen reisen bei den beiden auch nicht passt), die Nina aus Wien mit dem lustigen Akzent, die beiden Schweizer mit dem noch viel lustigeren Akzent, die beiden Bauern-Schwestern aus der Region, die Easy-Going Holländerin mit der ansteckenden Gelassenheit…ziemlich oft auf dem Wasser rede ich Englisch mit einem Russen, dessen Namen ich bis zuletzt nicht kannte (ich wusste nichtmals, dass er aus Russland stammt sondern hielt ihn für einen Engländer) aber egal. Was ich eigentlich nur sagen möchte mit dieser Aufzählung ist, dass ich nie wirklich alleine bin oder es nicht sein muss, wenn ich es nicht will. Ich suche zwar nie den Mittelpunkt einer Gruppe und fühle mich manchmal fehl am Platz, doch es gab in der vergangenen Woche auch einige schöne Erlebnisse mit Leuten in denen ich das Gefühl hatte, genau jetzt am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, mit den richtigen Menschen um mich herum…und es gab Momente, in denen ich mich nicht wohl fühlte, mich zu irgendeiner Gruppe zu stellen weil ich nicht das Gefühl hatte, dort wirklich reinzupassen und ich wollte mich nicht aufdrängen um alle Kosten. Doch ich lerne, mit mir alleine als Gesellschaft klarzukommen und das war auch eine wichtige Erkenntnis des Urlaubs. Ich muss mich nicht immer zu einer Gruppe zwängen, weil man das halt so macht und weil man nie alleine sein sollte – es ist vollkommen ok den Abend etwas Abseits vom Trubel, einfach in der Hängematte liegend zu genießen und daran ist nichts falsch. Der sozialste Mensch war ich halt nie, muss ich aber auch nicht, denn es ist alles vollkommen ok so wie es ist 🙂

Hinter die letzte Bratwurst vor Amerika brechen….

Nach der Partynacht in Sagres gestern war heute der Ruhetag des Camps und da die Nacht gestern für die Meisten lang gewesen war, gab es erst um zehn Uhr Frühstück. Mir nutzte das natürlich nicht viel, da ich seit Sonnenaufgang nur noch vor mich hindöste, doch es war angenehm, so ganz ohne Stress im Essenszelt zu sitzen. Getrunken hatte ich in der Nacht nur diesen einen Cider, weshalb ich fit war, nur immer noch angepisst von meiner Mitreisenden. Auch die beiden Bielefelder Pia und Frederike waren munter, da sie am Abend im Camp geblieben waren und sich ausgeschlafen hatten. Und da ich absolut keine Lust hatte, irgendetwas mit Bianka alleine zu unternehmen, planten wir den heutigen Fahrradtrip zu Viert, so konnte ich ihr wenigstens ein bisschen aus dem Weg gehen. Nach dem Essen bekam also jeder ein (mehr oder weniger funktionstüchtiges) Fahrrad und wir fuhren nach Sagres. Der Weg war nicht lange, doch ich hatte die letzten Jahre auf keinem Rad gesessen und plagte mich mit schwerem Rucksack bei knapp 30 Grad und purem Sonnenschein die holprigen Schotterwege oder befahrenen Straßen entlang. Irgendwie hatte ich mir diesen Ruhetag ein bisschen anders vorgestellt, nachdem meine Reisebegleitung meinte, sie wolle kein Kanu fahren sondern einfach entspannen und etwas gemütliches unternehmen. Einen kleinen Stadtbummel und abends zum Leuchtturm, nichts anstrengendes….von wegen ! Das Kanu fahren wäre mehr Erholung gewesen als diese Radtour, bei der wir auf den klapprigen Bikes durch die Straßen hetzten und nie so wirklich eine Richtung hatten. Die meiste Zeit wusste ich nicht recht, wo wir überhaupt hinfuhren und was der Plan war. Ganz froh war ich nur, als wir endlich abstiegen und zu Fuß ein paar Tourishops erkundeten, in welchen ich ein paar Souveniers für meine Familie und mich kaufte. Doch der Friede hielt nicht lange an, denn Bianka musste unbedingt eine Espresso Tasse für ihren Freund finden und wurde mal wieder knatschig, da sie nicht fündig wurde und sich ärgerte, nicht in Faro die Tasse gekauft zu haben…das ich kurz im Post Office zwei Briefmarken kaufen wollte wurde einfach überhört, die konnte ich schließlich auch noch später in einem anderen Laden kaufen (von wegen, denn wie sich später herrausstellen sollte gab es NUR dort Briefmarken).

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In einem großen Keramikgeschäft fand ich ihr dann die einzige Espressotasse im ganzen Laden, damit sie endlich aufhören würde zu knatschen und ich selbst kaufte noch zwei kleine handbemalte Schälchen für meine Familie, die zwar keine Funktion haben würden, aber sehr hübsch aussahen. Mit all den kleinen Geschenken im Rucksack fuhren wir noch ein wenig wahrlos in der Stadt herum, sahen aber nicht viel außer kleinen Seitengässchen und ein paar weiteren Touristenbuden. Nach mehreren Irrwegen fanden wir den Weg zum Strand und hielten uns dort ein paar Minuten auf, in denen wir Muscheln suchten und ich aß eines meiner Sandwiches. Von der Anstrengung in praller Sonne bekam ich langsam Kopfschmerzen und die Auszeit am kühlen Meer tat gut. So sammelte ich auch ein paar lila Schneckenhäusschen, in welchen zu meiner Überraschung keine Schnecken sondern kleine Krabben lebten bzw gelebt hatten, denn ich nahm nur die Häusschen mit, die sicher unbewohnt waren.

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Auf dem Weg zurück zum Camp haben wir noch einen kurzen Zwischenstop an der Eisdiele eingelegt, welche wir schon am Vortag nach dem Surfen besucht hatten. Das Limone Basilikum Eis dort war wirklich der Hammer und auch das Schokoladeneis kann man nur empfehlen.

Wieder am Camp angekommen wollte ich einfach nur eine kleine Pause einlegen, mich ein bisschen ausruhen nach der Anstrengung, (meine Hose waschen) und den freien Tag in einer Hängematte liegend genießen, doch dazu kam es leider nicht, da Bianka nach ein paar Minuten drängelte, die Bratwurstbude am Leuchtturm hätte nur bis halb Sechs geöffnet und wir müssten um halb Fünf spätestens schon wieder fahren, um die 7 km bis zum Cabo de São Vicente zu radeln. Bis dahin blieben mir vielleicht noch zehn Minuten, um mich kurz umzuziehen und dann ging es schon wieder los. Ich war zwar erschöpft und hatte Kopfschmerzen, doch zum Leuchtturm wollte ich auch, also blieb mir kaum eine Wahl als mitzufahren. Diese 7km erwiesen sich schnell als Highway to Hell, denn die permanente leichte Steigung bei immer noch prallender Sonne taten meinem Kreislauf überhaupt nicht gut. Die Kopfschmerzen wurden immer stärker und als wir endlich am Leuchtturm angekommen waren war mir total übel. Radeln war ne scheiß Idee gewesen ! Warum konnten wir nicht mit dem Kanu die Gegend erkunden ?

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Während sich meine Reisebegleitung also ihre blöde Wurst kaufte fühlte ich mich zum kotzen und trank erstmal eine kühle Dose Cola und setzte mich auf einen kleinen Hocker in den Schatten, um meinen Kreislauf wieder anzuregen und mich nach der Anstrengung auszuruhen. Von Essen wollte ich nichts wissen, schon bei dem Geruch der Wurst hätte ich am liebsten hinter die ‚letzte Bratwurst vor Amerika‘ gebrochen. Ob ich dafür wohl auch eine Urkunde bekommen hätte ? Na wenigstens habe ich in dieser miesen Situation meinen Humor nicht verloren und einen großen Aufstand habe ich wegen meinem Zustand auch nicht gemacht, sondern ich wollte einfach nur meine Ruhe. Es gibt halt zwei Arten, mit einer Situation umzugehen und ich bin eher ruhig, als aller Welt mein Problem erzählen zu müssen. Währenddessen bummelte meine ‚Freundin‘ mit der einen Bielefelderin die kleinen Stände entlang und interessierte sich mal wieder einen Scheiß um meinen Zustand. Wenigstens blieb ich nicht alleine, denn die andere Campbekanntschaft blieb bei mir und wich nur von meiner Seite, als ich ihr sagte, sie könne ruhig gehen und sich die Felsen anschauen, ich käme schon zurecht. Schließlich ging es mir im Schatten sitzend mit meinem kühlen Getränk in der Hand ganz gut und nach ein paar Minuten folgte ich ihr und schaute mir ebenfalls die Landschaft an. Dann kaufte ich mir auch eine Bratwurst an dem brühmten Stand und obwohl ich keine Lust darauf hatte – das Essen tat mir gut. Nach einer kurzen Besichtigung des Leuchtturmgeländes von außen beschlossen wir Vier, uns aufzuteilen. Denn auch heute war Bianka mal wieder kalt und sie wollte gerne zum Camp zurück und glücklicherweise erging es auch Frederike so, also fuhren beide zurück und ich breitete ein großes Badehandtuch an den Klippen aus, wo Pia und ich es uns gemütlich machen und redeten, während die Sonne langsam unterging. Es war gemütlich und obwohl ich Pia erst seit zwei Tagen kannte erzählte ich ihr die Geschichte von Jenny – und sie schien es ganz normal zu finden. Dann ging unser Gespräch über Freunde, darüber dass uns manchmal Entfernung nichts ausmacht sondern ganz im Gegenteil, uns bei der Rückkehr der jeweiligen Person noch mehr zusammenschweißt und wir redeten darüber, wie man ganz tolle Freunde haben kann, mit denen man einfach nicht in Urlaub fahren kann und wie manche erst nachdem man einige Tage zusammen verbracht hat ihr wahres Gesicht zeigen. Es war angenehm, dort zu sitzen, die Landschaft zu genießen und mit ihr über alles mögliche zu reden, so als ob wir uns schon ewig kennen würden. Kurz vor dem Sonnenuntergang fuhren wir jedoch wieder los, weil sie noch zum Supermarkt wollte und wir beide keine Lust hatten, im Dunkeln erst anzukommen. Doch schade war es schon ein bisschen um die letzten Sonnenstrahlen, die alles in ein warmes goldgelb tauchten und manchmal drehte ich mich auf dem Rückweg um und bewunderte die Farbpracht im Rücken.

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Im Supermarkt angekommen kaufte Pia acht Flaschen Somersby Cider und als wir wieder am Camp angekommen waren gesellten sich die anderen beiden zu uns und wir saßen in einer gemütlichen Runde zusammen, tranken den Cider und quatschten über die Schulzeit und verrückte Lehrer, die wir gehabt hatten. Bei mir ist die Schulzeit ja zugegebenermaßen schon eine Weile her, trotzdem erinnere ich mich an manche schrägen Vögel, welche sich bei uns tatsächlich ‚Lehrer‘ nennen durften, noch ganz gut und auch die beiden Bielefelder hatten viel zu erzählen über Lehrkräfte, die eigentlich nicht hätten im gleichen Raum mit Schülern sein dürfen. Es war ein lustiger Abend und ich hatte viel Spaß dabei, den beiden bei ihren Geschichten zu lauschen und zu lachen, während ich zwei Flaschen des besten Ciders trank und selbst von morschen Sportgeräten, assozialen Hauptschülern im Nebengebäude und meinem Stuhl- und Uhrensammelnden Kunstlehrer berichtete, welcher sechs Sprachen fließend sprechen konnte und von uns das Gleiche erwartet hatte. Eigentlich redeten wir nur zu Dritt und meine Zeltmitbewohnerin brachte sich kaum in die Unterhaltung ein, trank fast schon wortlos ihre Flasche leer und verabschiedete sich dann recht schnell, während wir drei noch ein bisschen draußen sitzen blieben. Sollte mir recht sein, ich war eh immer noch nicht gut auf sie zu sprechen und bezweifelte mittlerweile, dass sich dies während des Urlaubs noch ändern würde. Ich war einfach nur froh, ein paar nette Leute gefunden zu haben, damit ich die Abende nicht alleine verbringen musste – auch wenn mir das nicht so viel ausgemacht hätte wie ihr anscheinend. Doch ich genoss den Abend in guter Gesellschaft einfach und bedauerte es ein wenig, als wir irgendwann nach Zehn beschlossen, doch besser schlafen zu gehen, da morgen wieder ein normaler Tag im Surfcamp sein würde und dies hieß um sieben Uhr aufstehen, Frühstück um Acht und dann ab zum Strand. Dafür mussten wir schließlich fit sein !

Aber nach dem Yoga, Abendessen und Duschen gehen hatten wir wieder einen freien Abend zur Verfügung und wir Drei haben an diesem Abend schon beschlossen, uns morgen wieder gemütlich zusammenzusetzen und den Weisswein mit dem treffenden Namen ‚Pias‘ zu probieren, welchen wir im Supermarkt gefunden haben. Somit ging ich total zufrieden und glücklich ins Bett und kuschelte mich in meinen Schlafsack, mit dem Gedanken, dass morgen ein toller Tag werden würde. Auf das Surfen freute ich mich sehr – auch wenn ich immer noch nicht wieder fit war und mir die Schulter schmerzte – aber die Yogastunde danach würde mir bestimmt gut tun und ich war gespannt auf den spektakulären Platz, zu dem uns unsere deutschsprachige Yogalehrerin dieses Mal führen würde. Das Abendessen war bisjetzt noch nie eine Enttäuschung gewesen und danach würde ich wieder mit meinen beiden Campbekanntschaften aus Bielefeld zusammensitzen und wir würden genauso viel lachen und einen tollen Abend zusammen verbringen, so wie heute. Es konnte also nur toll werden….dachte ich.

Partynacht mit Folgen

Müde und erschöpft schleppte ich heute mein Surfboard zu dem gleichen Strand, an welchem wir schon gestern gegen die stärkeren Wellen und die seitliche Strömung angekämpft hatten. Da ich mich so gut angestellt hatte und in kürzester Zeit enorme Fortschritte gemacht hatte, wollte unser Couch Willy mich auch heute wieder in seiner Gruppe haben, um mich zu unterstützen. Doch ich war so platt, dass ich auf das Angebot verzichtete und mich erstmal 1,5 Stunden lang in den Sand legte, um mich noch ein bisschen auszuruhen und Kraft zu sammeln. Doch scheinbar schienen auch meine letzten Kraftreserven aufgebraucht zu sein, denn als es Zeit war, sich in den engen Neoprenanzug zu pressen und das Aufwärmtraining am Strand zu absolvieren, fühlte ich mich wie überfahren. Im kühlen Wasser wurde ich dann letzten Endes doch noch ein bisschen munterer und stand ein paar Wellen ganz gut – aber an meine top Leistung vom Vortrag kam ich nicht heran. Ein Mal gelang es mir, richtig schön auf dem Brett zu pushen und mich somit erneut zu beschleunigen. Diesen Trick hatte mir Willy (der absolut beste Surflehrer von allen) gestern gezeigt und nach ein paar Fehlversuchen gestern hat es heute direkt beim ersten (und einzigen) Versuch super geklappt. Davon, eine Welle diagonal zum Strand entlangzusurfen, bin ich noch meilenweit entfernt, da ich immer mit dem Board hinter die Welle komme, sobald ich versuche das Board seitlich zu bekommen und dann saufe ich logischerweise ab – aber einfach gerade zum Strand zu fahren macht auch Spaß und so fit wie ich heute bin, kann ich über meine Leistung nicht klagen. Sobald ich im Wasser bin packt mich der Ehrgeiz und so denke ich mir nach jeder Welle erschöpft aber glücklich “Eine pack ich noch, die schnapp ich mir noch“ und schmeiße mich erneut aufs Brett. Ich merke, dass es mir bei jedem Versurch schwerer fällt, aufzustehen, aber von der Erschöpfung lasse ich mich nicht abhalten. Ich entdecke wirklich ganz neue Züge an mir in diesem Urlaub – sonst bin ich nicht so ausdauernd.

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In der Mittagspause habe ich mir dann die Ohren verbrannt, na supi. Ich bin mich wirklich immer fleißig am eincremen und mein Gesicht ist eigentlich permanent Alpina Weiß von der LSF 50 Sonnencreme – doch die einzig freien Fleckchen an der Ohrmuschel erwicht es natürlich voll. Also schnell Apres Sun draufschmieren nach der Surfstunde, sich kurz umziehen im Camp und dann geht es auch schon wieder los zum Yoga. Über Programmlücken kann man sich wirklich nicht beschweren ^^

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Diesmal fand die Stunde nicht in der kleinen Bucht am Ende des Strandes nahe des Leuchtturms statt (Praia do Beliche), sondern wir fuhren nach Sagres und dort gingen wir, etwas außerhalb vom Zentrum, einen Streg entlang, der zu einer kleinen Terasse direkt bei den Klippen führte. Dort gab es zwar keinen Sand und auch das Rauschen des Meeres war nicht so stark, die Aussicht war aber trotzdem schön und die Location war wie fürs Yoga geschaffen. Also breiteten wir unsere Matten aus und begannen mit den Übungen, wobei wir uns erst auf die Atmung konzentrierten, dann die einzelnen Körperpatien dehnten und streckten und zum Schluss gab es wieder den Entspannungsteil, bei welchem wir alle mit dem Rücken auf den Blanken lagen, während die Sonne langsam unterging und sich der Tag dem Ende entgegenneigte….naja ok, nicht so ganz. 😀

Darüber hätte ich mich vielleicht gefreut, doch heute war ‚Bar Night‘ im Camp und obwohl ich keine große Lust zum Ausgehen hatte beschloss ich, einfach mitzugehen. Schließlich war für morgen noch nichts geplant und im Camp würde auch kein Programm stattfinden, da konnte ich mir genauso gut die Nacht um die Ohren schlagen und vielleicht würde es ja trotzdem ganz lustig werden. Also habe ich nach dem Kartoffel-Fisch-Sahnesauce Auflauf geduscht und mich umgezogen. Während meine Reisebegleitung dann eine ganze Stunde in den sanitären Anlagen verbrachte, machte ich es mir in einer Hängematte gemütlich und döste vor mich hin. Ich hätte morgen lieber etwas erlebt und die Gegend erkundet – die Kajak Tour fand ich wirklich einladend. Ich weiß nicht, wie viel sie gekostet hätte, aber ich denke es hätte Spaß gemacht und durch meine Erlebnisse auf der Sauer stufte ich diesen Sport nicht als besonders anstrengend ein. Es wäre zumindest eine Abwechslung zum Surfen gewesen, wir hätten bestimmt ein paar tolle Geheimpunkte entdeckt…aber meine Reisebegleitung war absolut dagegen, wollte es morgen lieber gemütlich angehen lassen und alleine hatte ich auch keine Lust. Den Leuchtturm wollten wir uns morgen auf jeden Fall anschauen, das würden wir hinbekommen und danach könnten wir immer noch schauen, ob wir vielleicht in die Stadt oder zum Strand fahren…oder einfach nur in der Hängematte chillen. Auch wenn ich momentan total erledigt vom surfen bin – ich bin niemand, der sich gerne ausruht sondern ich brauche Action im Urlaub und will so viel wie möglich mitnehmen, frei nach dem Motto “Schlafen kann ich immer noch, wenn ich wieder Zuhause bin.“

Langer Rede kurzer Sinn, jedenfalls glühten die anderen ein wenig vor, es gab fragwürdige Trinkspiele am Barhäusschen und irgendwann tauchte meine Reisebegleitung auch wieder auf. Ich hatte währenddessen mit den beiden Bielefeldern geredet und war ein bisschen enttäuscht, dass sie nicht mitgehen würden. Klar konnte ich sie auch verstehen, dass beide noch von der Anreise und dem Surftag erschöpft waren, trotzdem hätte ich sie gerne dabei gehabt. Ich brauch keine Party mit Menschen, mit denen ich nur ab und zu oberflächlichen Smalltalk rede, doch die beiden sind mir sehr sympatisch. Klar rede ich auch mit den andern Deutschen, mit Töni heute zum Beispiel über Reitställe im Ort, doch ein längerfristiges Gespräch kommt dabei nicht zustande und irgendwann quäle ich mich fast schon damit, die Konversation am Laufen zu halten. Auf dem langen und unübersichtlichen Weg zu den Kneipen von Sagres fing ich jedoch überraschenderweise ein recht langes Gespräch mit einem anderen deutschen Mädel aus dem Camp an und wir redeten fast die kompette Strecke lang über alles mögliche…was meiner Reisebegleitung nicht zu passen schien, denn sie ging schweigend nebenher und man merkte ihr an, dass etwas nicht stimmte…und genau dort begann das Drama, was mich im Laufe des Abends wirklich alle Nerven kostete und ehrlich gesagt glaube ich auch, dass es letzten Endes unsere Frendschaft zerstört hat…

Fangen wir mal vorne an. Als wir die “Bar“ erreichten, stellten wir fest, dass es sich dabei nur um eine kleine Bäckerei handelte, deren Tische man zur Seite geschoben hatte, um Platz für ein Schlagzeug zu schaffen. Wenn man sich daran vorbeiquetschte, konnte man die Bar erreichen, an welcher ich uns nach einiger Warterei zwei Cider bestellte. Zu diesem Zeitpunkt war Bk. angepisst, weil wir von der Frau hinterm Tresen ignoriert wurden und als ich etwas für uns bestellte wollte sie schon gar nichts mehr trinken. Dann war es in der kleinen Bude viel zu laut und zu eng, also gingen wir nach draußen und setzten uns auf den Bordstein, um der Musik zu lauschen. Auch andere Campmitglieder saßen noch dort, mit ihrem Getränk in der Hand und redeten. Ich hatte keine große Lust auf Zwangsanschluss, also setzte ich mich einfach auf den Bürgersteig und hörte der Musik zu, während ich mein Cider trank. Es dauerte nur wenige Minuten, da wurde die Idylle von einem motzigen “Mir ist kalt“ unterbrochen. Mein Vorschlag, nach drinnen ins Warme zu gehen wurde mit einem “Wozu denn, ist doch auch nur laut“ abgewehrt. Ich versuchte, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und zog meine Jacke aus, um sie ihr zu reichen. Dabei stieß ich ausversehen ihre Flasche um und ein bisschen Cider blubberte auf die Straße. Natürlich bot ich direkt an, ihr ein neues Getränk zu kaufen doch zu diesem Zeitpunkt war es schon komplett vorbei, sie wollte weder etwas trinken noch meine Jacke sondern fing an zu heulen und wollte einfach nur heim…ohhhkay – wir waren seit zehn Minuten hier und sie verhielt sich wie eine tickende Hormonbombe. Und ehrlich gesagt wollte ich noch nicht zurück zum Camp, schließlich waren wir gerade erst angekommen und der Abend war noch jung. Ich sagte ihr, dass sie doch warten solle, bis jemand anderes mit ihr zurück zum Camp gehen würde, schließlich sah man manchen Mädels schon an, dass sie nicht lange bleiben würden und dann hätte sie sich anschließen können. Heulend verzog sie sich hinter den Parkplatz auf eine kleine Bank und ich blieb…leicht verdutzt und mal wieder mit der Situation überfordert, auf der Straße zurück. Es war mir aber auch alles zu blöd und ich hatte noch nie erlebt, dass jemand so einen Aufstand gemacht hatte, weil ihm kalt war und angeblich die Musik nicht gut war. Das konnte doch wirklich nicht ihr ernst sein. Sie wäre heute einfach nicht in Feierlaune, meinte sie dann. Na wie schön, dass man das nicht früher sagen konnte. Denn gebraucht hätte ich die Kneipentour auch nicht, doch ich hatte nichts gesagt, da sie sich offensichtlich darauf gefreut hatte und ich nicht als Spaßbremse darstehen wollte. Also hatte ich mich aufgerafft, war mitgekommen und fand es wirklich ok. Zugegebenermaßen war die Livemusik nichts besonderes, auch hatte ich keine große Lust, mich zu irgendeiner Gruppe dazuzustellen sondern ich fand es voll ok, einfach dort zu sitzen und den Moment zu genießen. Klingt vielleicht komisch, ich weiß, aber ich kann es nicht anders beschreiben. Es war jedenfalls angenehm dort draußen.

Während sie also heulend auf der Parkbank saß konnte ich sie wenigstens noch dazu überreden, wieder mit nach vorne zu den anderen zu gehen, damit sie mitbekommen würde, wenn sich jemand auf den Heimweg machte. Wenigstens diesen Radschlag nahm sie an und ich machte mich kurze Zeit später auf den Weg zu den anderen in die kleine Kneipe und tanzte ein wenig, bis ich von einem anderen Campmitglied erfuhr, dass wir in die nächste Bar gehen würden. Sollte mir recht sein, denn obwohl wir erst eine knappe Stunde dort verbracht hatten – so toll war es nun wirklich nicht. Die Musik war nicht meins, die Location bestand mehr aus Straße als aus Gebäude und die Leute vom Surfcamp konnte man alle in der Pfeiffe rauchen, mit denen wurde ich nicht richtig warm. Draußen hielt ich Ausschau nach Bk., konnte sie aber nirgends entdecken und dachte, sie habe jemanden gefunden mit dem sie gemeinsam zurück gehen konnte. Besser so, denn ich konnte ihr in diesem Zustand eh nichts recht machen und egal was ich sagen oder machen würde – sie brauchte gar keinen Grund dafür, um mich anzupampen. Das hatte ich schon bei der Story mit ihrem Fuß vorgestern bemerkt. Manchmal steigt ihr das brasilianisches Temperament einfach zu Kopf und dann rette sich wer kann, bevor sie den nächsten Aufstand macht wegen etwas, dass sich ruhig betrachtet als halb so schlimm herausstellt.

Somit war ich doch ein wenig erstaunt, als ich sie munter tanzend in der Disco sah, welche wir als nächstes betraten. Dort war dann auf einmal wieder alles gut und sie tanzte munter drauf los, so als ob nie etwas gewesen sei und sie schon die ganze Zeit einen tollen Abend gehabt hätte. Nur leider war die Musik, die dort gespielt wurde, so überhaupt gar nicht meins und ich tanzte mich gelangweilt durch die Mainstream Lieder, in der Hoffnung, es würde noch besser werden. Irgendwann gab ich mich geschlagen, zu diesem Quark zu tanzen machte keinen Spaß und nachdem ich eine ganze Stunde lang diese Playlist gehört hatte ahnte ich, dass es nicht mehr besser werden würde. Also ging ich zu meiner Reisebegleitung, die ich während dem tanzen nur ab und zu mal zwischen den anderen Campern sah, und sagte ihr, ich würde nun gerne heimgehen. Mitlerweile war es nach Zwei und ich fand, das war eine akzeptable Zeit. Ihre Antwort war eiskalt “Ok, dann gute Nacht“ und das wars. Sie würde irgendwann mit jemandem heimgehen…was zum Teufel ? Na super, wie schön dass sie sich um mich kümmert und sich sorgt, ob ich gut am Camp ankomme. Da war ich wirklich baff, so eine Gleichgültigkeit habe ich auch noch nicht erlaubt. Da bin ich wohl ein wenig verwöhnt von meinen Cousinen, denn bei uns gilt das Motto ‚Wenn man zusammen hinfährt, dann fährt man auch zusammen nach Hause oder man sorgt wenigstens dafür, dass die betreffende Person heil ankommt.“ Aber sie schien sich so absolut nicht zu kümmern und ich setzte mich enttäuscht auf die Bank vor der Kneipe und hatte Glück, dass ein paar Minuten später ein Münchener aus dem Camp beschloss, ebenfalls den Weg zurück anzutreten und so irrten wir gemeinsam eine Stunde lang durch die kleinen Gässchen, die nachts alle gleich aussahen und bis wir das Camp endlich gefunden hatten, verging nicht nur eine Ewigkeit sondern mir wurde immer wärmer statt kälter, da ich mich trotz recht frischer Temperaturen mitten in der Nacht in Rage geriet.

Um vier Uhr nachts kam ich am Zeltplatz an und schrieb erstmal meinen Eltern, wie sauer ich auf Bk war, weil sie sich den ganzen Abend lang unter aller sau verhalten hatte. Ich habe ihre ständigen Aufstände wirklich leid und möchte doch einfach nur einen tollen Urlaub haben, ohne dieses ständige Drama wegen irgendeinem Mist ! Doch während ich im Camp immer ruhiger zu werden scheine findet sie täglich einen neuen Grund, mich (zumindest kurzzeitig) auf die Palme zu bringen. Doch damit ist jetzt Schluss, ich habe die Schnauze voll von ihr. Lächerlich, dass sie mir immer vorwürft, ich würde ständig “mi mi mi“ machen und sei ein “Nölpferd“, sie müsste sich selbst mal die letzten Tage sehen. Wer im Glashaus sitzt….

Im Nachhinein betrachtet hätte ich ihr wohl Vieles nach der Zeit verziehen. Die Story mit dem Fuß und nachher noch dem Handgelenk, der Aufstand weil sie sich zu fein zum Abspülen fühlte und höchstens abtrocknete, das Gemotze wegen der Kälte und ihr übertriebener Ehrgeiz im Wasser, das sie die Bielefelder ständig wegen Markenkleidung belawert hat und so oft betont hat, dass sie nur das teuerste Zeug trägt….all das hätte ich irgendwann einfach abgehakt. Doch was ich ihr nicht verzeihen werde ist die Tatsache, dass sie einer der Bielefelderinnen erzählt hat, ich hätte in dieser Nacht den Aufstand gemacht weil MIR kalt gewesen sei – und das nur aus dem einfachen Grund, dass sie besser dastehen wollte und nicht zugeben wollte, dass sie diejenige gewesen war. Und das ist etwas, das ich nicht akzeptiere. Wenn  jemand mich schlechtredet, nur um selbst in einem besseren Licht zu stehen. Und das auch noch vor Fremden, die wir erst seit einem Tag kannten und denen die ganze Situation wahrscheinlich eh egal gewesen wäre…ihr musste doch klar gewesen sein, dass die Sache herauskommen würde und das ich nicht gerade erfreut darüber sein würde, sobald ich es erfuhr.

Jedenfalls beschloss ich in dieser Nacht, ihr Morgen an unserem freien Tag so viel wie möglich aus dem Weg zu gehen. Und wenn ich alleine ein Fahrrad ausleihen und ein bisschen das Dorf erkunden sollte, egal, hauptsache ich musste sie nicht in meiner Nähe ertragen.

Der zweite Tag im Surfcamp

Ein neuer Morgen, eine neue Chance und dies galt auch für meine Reisebegleitung, denn natürlich ging es ihrem Fuß heute wieder besser….am liebsten hätte ich ihn daraufhin eigenhändig gebrochen für diesen Aufstand gestern. Auf mich hören und ruhig abwarten wollte sie ja nicht, aber davon abhalten, heute wieder aufs Surfbrett zu klettern konnte sie auch niemand. Anfangs meinte sie noch, sie würde sich ein bisschen schonen und vielleicht nur kurz ins Wasser gehen, doch kaum waren wir am Strand angekommen gab es kein halten mehr und sie stürzte sich in die Wellen. Wenn jemand fragte klagte sie natürlich noch über Schmerzen, die sich allerdings gerade so aushalten ließen und sie machte keine Take offs auf dem Brett sondern kniete sich nur hin, um den Fuß nicht voll zu belasten – aber beim Abgang hätte sie wieder genauso umknicken können und vielleicht wäre dann wirklich etwas passiert…aber da hielt ich mich raus. Das war ihr Risiko und ich hatte genug von der Show.

Ich hatte heute mit ganz anderen Problemen zu kämpfen – monatliche Problemen…und absolut keine geschützte Ecke in Sicht. Natürlich war mir klar, dass es an einem Naturstrand keine öffentliche Toilette gab und ich hätte mich schon mit einer Hecke oder einem hohen Strauch zufriedengegeben, doch nichts ließ sich finden und überall sah man nur Sand, Schotter oder Heide. Letzten Endes fand Ted, die fröhliche Hölländerin dann ein ungestörtes Plätzchen und meine Badebekleidung war gerettet :))

Heute waren wir erst als zweite Gruppe im Wasser, also blieben uns fast zwei Stunden, um am Strand Ponta Ruiva zu chillen und sich noch ein bisschen auszuruhen vor dem Kraftakt. Und was soll ich sagen ? Auch heute klappte das Surfen wieder unerwartet gut und ich überraschte mich bei jedem Take off aufs Neue. Willy, der beste Surflehrer überhaupt, gab mir reichlich Tips und half mir, auf dem Surfbrett liegend weiter raus aufs Meer zu kommen, um größere Wellen zu bekommen. Er zeigte mir, wie ich zu paddeln habe und wann ich meinen Oberkörper aufzurichten und das Brett nach unten zu drücken habe, um über die Welle hinweg zu kommen. Ein Mal brachte er mich vor eine richtig starke Welle, sagte mir wann ich zu paddeln habe und wann ich aufstehen sollte und dann stand ich diese mächtige und kraftvolle Welle bis zum Strand, das war ein hammer Gefühl und beflügelte mich total. Während viele der Anfängergruppe es noch nicht schafften, auf dem Brett zu stehen erklärte mir der Surflehrer schon die nächsten Schritte des Pushens und des parallel zum Strand Fahrens, um die komplette Welle auszunutzen. Ein Mal schaffte ich es sogar und verlagerte mein Gewicht zuerst nach hinten, nur um mich dann mit aller Kraft auf den vorne stehenden Fuß zu lehnen und das Surfbrett somit wieder zu beschleunigen.

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Der heutige Strand der Wahl, Ponta Ruiva

Allgemein war die Surfstunde wirklich der Hammer und Dank der Hilfe des Surflehrers lernte ich in diesen zwei Stunden richtig viel dazu, denn er nahm sich sehr viel Zeit für mich, erklärte mir alles und half mir immer wieder aufs Neue in die Wellen weiter vom Strand entfernt zurück. Die Wellen waren nicht so schön wie gestern, weil sie kürzer aufeinander folgten und somit weniger Zeit blieb, die richtige Position auf dem Brett zu finden und anzupaddeln. Auch die Strömung erschwerte das Ganze, dennoch meisterte ich die Situation besser, als ich jemals gedacht hätte und obwohl ich total platt war, als ich wieder aus dem Wasser kam…das Grinsen behielt ich für den Rest des Tages im Gesicht und nichts konnte daran etwas ändern.

Nach dem Surfen fuhren wir vom Strand direkt zu einer Eisdiele in Sagres und dort gab es ungewöhnliche Sorten wie “Limette Basilikum“ oder “Orange Kardamon“, welche sehr gut schmeckten. Danach ging es, nachdem wir uns im Camp schnell umgezogen hatten, zum Yoga. Wir fuhren mit den alten VW Bussen zum Strand Beliche und wanderten mit den Yogamatten den Strand entlang, bis wir am äußersten Ende des Sandstrandes angekommen waren und sich vor uns hohe Felsen auftaten. Dort zu unserer Rechten befand sich eine kleine Höhle, in welcher wir alle Platz fanden und unsere Matten bzw. Handtücher ausrichteten. Es gibt nichts entspannenderes, nach einer anstrengenden Surfstunde die schmerzenden Muskeln zu dehnen und aktiv zu entspannen. Anfangs gab es eine Atemübung, danach folgten verschiedene, recht leicht nachzumachende Übungen und am Schluss gab es eine kleine Traumreise, bei der wir alle auf dem Rücken lagen, dem Rauschen des Meeres und der brechenden Wellen nur ein paar Meter entfernt lauschten und unser Körper immer schwerer wurde…traumhaft.

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Als wir die Höhle verließen wurde es langsam Dunkel und die letzten Sonnenstrahlen ließen die Felsen ergolden

Wieder am Camp angekommen gab es Burger und Hot Dogs zum selbst belegen und auch hier konnte man sich nicht beschweren denn die Auswahl war reichlich und natürlich gab es auch heute wieder einen leckeren Salat zum Essen.

Vom ganzen Sand, dem Salzwasser und den fünf Schichten Sonnencreme mit der Viskosität von Wandfarbe verspürte ich nach dem Essen ein dringendes Bedürfnis, heiß duschen zu gehen und so verpasste ich die erste Hälfte des Abendprogramms Flunky Ball – doch das heiße Wasser und die fünf Minuten Sauberkeit, bevor ich mit meinen frischen Sachen und den sauberen Füßen wieder durch den Sand im Campbereich musste, waren es wert. Also setzte ich mich auf die Halfpipe zu den anderen Zuschauern und betrachtete das Treiben belustigt. Aus irgendwelchen absurden Gründen wurde alle paar Minuten “Extra Beer ! Extra Beer !“ gerufen und es fanden sich immer Regelverstöße, die mit einem Bier auf Ex beglichen werden mussten. Bei der letzten Runde kam Cobra dann auf die grandiose Idee, jedes Teammitglied müsse auf dem Weg, um die Flasche wieder aufzustellen, vorher ein Rad drehen. Auch gab es Dancebattles der Crew um das Recht, anzufangen und immer wieder Beschuldigungen von Regelverstößen und noch mehr Extrabieren. Die arme Martha, polnische Küchenhilfe des Camps, war auch heute wieder das Opfer und durfte so einiges trinken, bis sie irgendwann sehr angetrunken schien und Probleme hatte, die paar Meter zur Flasche in der Mitte zurückzulegen. Die Arme musste hier wirklich so einiges erleiden. Schon in der Begrüßungsnacht hatte Cobra sie geneckt mit den Worten “Ok, so the whole Team is here…expect for Martha because she is boring and noone cares“ und es fielen immer wieder gemeine Bemerkungen a la “Shut up Martha“ aber sie ist ein sehr lustiger Mensch. Nachmittags sprang sie in letzter Minute in den Bus zum Yoga und entschuldigte sich Banane kauend bei uns für die Verspätung. Daraufhin erzählte sie dann auf dem Hinweg ein paar lustige Stories über das nicht beachten der Straßenverkehrsregeln in Polen und das sie gar keinen Führerschein mehr habe, doch in ihrer Heimat interessiere das auch keinen.

Jedenfalls war auch an diesem Abend die Stimmung wieder sehr gut und auch wenn ich nicht aktiv am Programm teilnahm, so hatte ich doch so meinen Spaß beim zusehen. Und morgen Abend habe ich ja noch die Gelegenheit, ordentlich zu trinken, denn schließlich ist dann Bar Night und das ganze Camp geht aus und feiert in der Stadt. Mir ist eigentlich nicht nach trinken und tanzen, momentan bin ich sehr gemütlich eingestellt abends und freue mich auf die Hängematte nach dem langen Tag am Strand und vollgefuttert vom Abendessen. Von dort aus kann ich dann den anderen dabei zusehen, wie sie Spaß haben und erfreue mich einfach daran, ohne Aktiv Teil zu sein…doch ich denke ich werde trotzdem mitgehen, schließlich sollte man das mal erlebt haben und sobald ich mich aufraffen kann ists bestimmt auch lustig 🙂